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Glock: "Verstappen ist gut für den Sport"

Showdown in der Formel 1! Am Sonntag fällt beim letzten WM-Lauf in Abu Dhabi (14 Uhr im LIVETICKER) die Entscheidung um den Titel zwischen Nico Rosberg und seinem Mercedes-Kollegen Lewis Hamilton.

In der Saison 2008 spielte der deutsche Rennfahrer Timo Glock das Zünglein an der Waage bei der Titelvergabe. Glock lag beim Saisonfinale in Brasilien in der letzten Runde mit seinem Toyota auf Platz vier, zwei Plätze vor Lewis Hamilton.

Diesem wäre bei gleichbleibender Situation nur der zweite Gesamtplatz hinter Sieger Felipe Massa geblieben. Sebastian Vettel und Hamilton fuhren jedoch im Bereich der Junção-Kurve noch an Glock vorbei, der seinen Toyota mit Trockenreifen kaum noch auf der immer nasser werdenden Strecke halten konnte. Hamilton sicherte sich so den entscheidenden Punkt gegenüber Massa.

Im SPORT1-Interview spricht der jetzt für BMW in der DTM fahrende Glock über das anstehende Saisonfinale, die Veränderungen in der Formel 1 und die kommende DTM-Saison.

SPORT1: Die Motorsport-Welt schaut gebannt nach Abu Dhabi. Wer holt sich im letzten Formel-1-Rennen den Titel? (DATENCENTER: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Glock: Nico Rosberg. Er weiß, dass er ein Auto hat, mit dem er jederzeit Zweiter werden kann, wenn alles glatt läuft. In meinen Augen kann er den Titel nur durch einen technischen Defekt verlieren. Natürlich wird Red Bull stark sein, genau wie Ferrari. Aber ich glaube, Mercedes hat immer so viel in der Hinterhand, um noch mal nachzulegen. Die Frage ist, wie zuverlässig das Auto ist. In den vergangenen Rennen hat Mercedes versucht, in Sachen Technik und Motoren auf Sicherheit zu gehen. Deswegen war Red Bull auch etwas näher dran.

SPORT1: Wäre Nico Rosberg denn ein verdienter Weltmeister, selbst wenn Hamilton die letzten vier Rennen und damit eines mehr als Rosberg gewonnen hätte? 

Glock: Absolut, weil er sich in die Ausgangsposition gebracht hat. In den ersten Saisonrennen und besonders nach der Sommerpause war Nico sehr, sehr stark. Er hat ja auch den Druck, das jetzt zu verwalten, und deswegen riskiert er nicht mehr so viel wie ein Lewis Hamilton. Der macht sich keinen Kopf und attackiert jetzt natürlich ganz anders als Nico. Ein Weltmeister muss auch verwalten können – und das macht Nico. 

SPORT1: Wie hat sich Rosberg seit Ihrem Abschied aus der Formel 1 Ende 2012 entwickelt? 

Glock: Schwierig zu sagen, da ich noch nie direkt mit ihm zusammengearbeitet habe. Er ist einfach reifer geworden, hat dieses Jahr eine unglaubliche Coolness gezeigt und sich nie aus dem Konzept bringen lassen. Seit er bei Mercedes neben Hamilton und in so einem Auto fährt, ist er generell viel cooler, viel abgeklärter und überlegter geworden.

SPORT1: Sie kennen Hamiltons Comeback-Qualitäten noch vom WM-Finale 2008 aus direkter Erfahrung – was macht den Rennfahrer Hamilton aus?

Glock: Da sprechen Zahlen und Fakten für sich. Auch Rennen, die gezeigt haben, wie gnadenlos er agiert, wie unheimlich gut er von vorne Rennen diktieren kann. Er ist in allen Bereichen ein perfekter Rennfahrer - ob im Rennen oder im Qualifying. Angesichts seines Privatlebens kann man nur den Hut davor ziehen, wie er auf der Rennstrecke seine Leistung abruft (lacht).

SPORT1: Wie beurteilen Sie die grundsätzliche Entwicklung in der Formel 1? Ist sie wirklich so langweilig, wie viele sagen?

Glock: Ricciardo und Verstappen bringen ein wenig die Würze rein, speziell Verstappen natürlich. Aber ansonsten, wenn man die ganze Saison mit den vielen Doppelsiegen von Mercedes betrachtet, ist das schon eine ziemlich erdrückende Dominanz und tut der Formel 1 auf Dauer nicht gut.

SPORT1: Verstappen fährt derart kompromisslos, dass manchen Angst und Bange wird. Sind Sie froh, nicht mehr gegen Max Verstappen fahren zu müssen?

Glock: Im Gegenteil! Ich wäre sehr gerne gegen ihn gefahren, das würde ja heißen, dass ich jetzt in einem guten Auto sitzen würde. Es wäre schon schön gewesen, gegen den jungen Mann anzutreten…

SPORT1: Sie verurteilen seine Manöver also nicht als zu gefährlich? 

Glock: Nein. Natürlich kann man das eine oder andere als gefährlich interpretieren, speziell mit den heutigen Formel-1-Autos. Das Problem ist vor allem der Überschuss, den man aus DRS und Windschatten generiert. Das hat man bei der Aktion gegen Räikkönen gesehen. Aber es ist sein Recht, sich zu verteidigen. Und er macht das, teilweise zwar im Graubereich, aber sehr, sehr clever und mit viel Übersicht. Ich glaube, er hat dabei noch nie einen wirklichen Fehler gemacht. Und Fakt ist: Man spricht über ihn, man diskutiert über ihn und er wird den Teufel tun, das in der Zukunft anders zu machen. Und das ist auch gut für den Sport. Das ist es ja, was wir sehen wollen. Und die anderen würden es genauso machen, wenn sie sich verteidigen müssten.

SPORT1: Genauso? 

Glock: Das späte Bremsen von Verstappen zum Verteidigen gehört einfach auch zum Naturell des Rennfahrers, der den Hintermann nicht vorbeilassen will. Sebastian Vettel hat in Mexiko auch noch mal an der Bremse gezuckt, weil er Verstappen nicht vorbeilassen wollte. Das ist einfach in einem als Rennfahrer drin.

SPORT1: Sie selbst sind seit vier Jahren in der DTM unterwegs. Welche Rennserie ist für den Piloten schwieriger?

Glock: Das kann man sehr schwer vergleichen, da es zwei komplett verschiedene Autos sind. Wenn ein Formel-1-Fahrer in die DTM kommt, dann tut er sich unheimlich schwer. Der Vorteil der DTM ist, dass die Autos ziemlich gleich sind. Wir haben teilweise 24 Autos in sieben bis acht Zehntelsekunden. Daher kommt es viel auf den Fahrer an und viel auf dessen Erfahrung. Um sich gegen die Jungs, die in Tourenwagen groß geworden sind – zum Beispiel Mattias Ekström oder Gary Paffett – zu behaupten, muss man schon früh aufstehen (lacht). Beide Rennserien sind in ihrem jeweiligen Bereich, also dem Tourenwagen- oder Formel-Sport, aber das absolut Größte.

SPORT1: Sie sind 2016 mit Platz zehn im Endklassement Ihre zweitbeste DTM-Saison gefahren. Der Sieg in Spielberg war aber Ihr einziger Podestplatz. Was ist in der nächsten Saison drin? (DATENCENTER: Der Endstand der DTM-Fahrerwertung 2016)

Glock: Wir hatten ja eigentlich zwei Podestplätze, leider bin ich beim Auftakt in Hockenheim disqualifiziert worden. Ich will jetzt nicht jedes Rennen einzeln aufzählen, wo wir Punkte liegen haben lassen, aber dieses Jahr haben wir schon sehr viel verloren. Dazu hat mich mein Kollege di Resta dann auch noch zwei Mal in den Punkterängen umgedreht. Aber hätte, wäre, wenn hilft nicht weiter. Es kommt einfach auf die Konstanz an. Es muss ein Jahr lang mal alles klappen…

SPORT1: Und was ist dann drin 2017? 

Glock: Das müssen wir abwarten, wie sich die Autos ändern, wir bekommen zudem neue Reifen. Wie die zum Fahrstil eines Piloten passen, kann in dem engen Feld den Unterschied ausmachen. Wenn ich zum ersten Mal in meinem neuen Auto sitze, weiß ich vielleicht schon nach der ersten Runde: Ja, mit diesem Auto kann ich ganz vorne dabei sein.

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