Mit einem gequälten Lächeln hangelte sich Sebastian Vettel durch den Dschungel aus Mikrofonen.
Gerade kostete ihm ein verhunzter Boxenstopp beim Großen Preis von Österreich den sicheren Podestplatz. Doch Vettel ließ sich kein einziges böses Wort zu seiner Crew entlocken.
“Bis jetzt waren wir die Schnellsten in der Boxengasse”, erinnerte er: “Dass heute so ein Patzer passiert und man dadurch einen Podestplatz verliert, ist bitter. Aber die Jungs zählen zu den Besten im Feld.”
Fehlerteufel bei Ferrari
Doch das war nur die halbe Wahrheit, denn zuletzt häuften sich die Pannen bei der Scuderia. Schon im Qualifying haderte Kimi Räikkönen mit einem Kommunikationsproblem, das ihm letztlich das Aus schon in Q1 einbrockte (SERVICE: Die aktuelle Fahrerwertung).
“Irgendwo wurde ein Fehler gemacht. Der Plan änderte sich, aber das hat man mir nie gesagt”, moserte der Finne, dem der hintere Startplatz mit seinem Renncrash im dichten Fahrerfeld teuer zu stehen kam.
Im Rennen zuvor in Montreal patzten die Italiener – ebenfalls bei Räikkönen – beim Mapping. Die Folge: Ein Dreher wegen eines überempfindlichen Gaspedals.
So wird man kein Mercedes-Jäger
Im Qualifying von Kanada kostete ein defekter Transistor Sebastian Vettel Q2 und damit alle Chancen auf das Podest.
Wiederum Räikkönen erwischte es auch beim Saisonauftakt in Australien, als ihn seine Crew mit dem Wagenheber absenkte, obwohl ein Rad noch nicht befestigt war. Eine halbe Runde später war das Rennen des Finnen gelaufen.
Eine derartige Pannenserie an der Box sucht unter den Topteams der Formel 1 diese Saison ihresgleichen. SPORT1-Experte Peter Kohl brachte es in seiner Kolumne auf den Punkt: “So wird man nicht zum ernsthaften Mercedes-Jäger.”
Arrivabene hat genug
Denn an der Box lief es bei den Silberpfeilen in dieser Saison bislang wie geschmiert. Nach dem einzigen Fehler beim völlig verkalkulierten Stopp von Lewis Hamilton in Monaco folgte eine prompte Krisensitzung mit dem Ergebnis einer Neustrukturierung der Hierarchien am Kommandostand.
Ferrari lächelte dagegen bis zum Österreich-Rennen die eigenen Fehler weg. Doch nach Vettels Boxenproblemen hatte auch Teamchef Maurizio Arrivabene genug: “Wir haben wieder einmal einen Podestplatz weggeschmissen wegen einem dummen Teils, das wir so schnell wie möglich lösen müssen. Das war nicht das erste Mal, und das ist nicht akzeptabel.” (SERVICE: Der Rennkalender der Formel 1).
Erinnerungen an Schumacher
So werden Erinnerungen an Michael Schumachers erstes Ferrari-Jahr 1996 wach, als der Angriff auf die dominanten Williams immer wieder von peinlichen Defekten zurückgeworfen wurde.
Schumacher sagte Jahre später, die Niederlagen 1996 seien verschmerzbar gewesen, da Ferrari “kein Auto hatte, um die Weltmeisterschaft zu gewinnen”. Ähnlich sieht es jetzt Vettel. “Mühsam ernährt sich das rote Eichhörnchen”, sagte er nach dem vierten Platz von Österreich.
Dabei hängen die Trauben schon in dieser Saison hoch, wie Vettels Teamchef offenbarte: “Ich habe das Ziel vorgegeben, dass wir in diesem Jahr drei Rennen gewinnen und den Abstand zu Mercedes wegradieren. Ich sehe keinen Grund, an diesem Ziel etwas zu ändern.”

