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Übernimmt Red Bull das Ecclestone-Erbe?

Ausgerechent das beschauliche Kitzbühel bringt die Motorsportwelt ins Wanken.

In einer gerade einmal zehnminütigen Schalte im Camp Beckenbauer ließ Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone unvermittelt die Bombe platzen.

Wohl noch in diesem Jahr werde die Formel 1 einen neuen Besitzer haben, kündigte er an. Geht nach 57 Jahren Ecclestone in der Formel 1 eine Ära zu Ende?

SPORT1 erklärt das Ecclestone-Beben und die Folgen.

Was genau hat Ecclestone gesagt?

Die Moderatorin Kate Abdo, eine britische Sportjournalistin, fragte den aus Sotschi zugeschalteten Ecclestone gegen Ende des rund zehnminütigen Gesprächs nach möglichen Interessenten für Anteile an der Formel 1.

Ecclestones Antwort: “Es gibt Teilhaber, die in der Situation sind, schnell einige oder all ihre Anteile zu verkaufen. Es gibt dafür viel Interesse. Momentan gibt es drei Interessenten. Ich wäre überrascht, wenn nicht einer von ihnen bald die Anteile kauft.”

Auf die Nachfrage, wann mit einem neuen Formel-1-Besitzer zu rechnen sei, antwortete Ecclestone kurz und knapp: “In diesem Jahr.”

Wem gehört die Formel 1?

Die Rechte an der Formel 1 besitzt der Veranstalter – der internationale Motorsportverband FIA. Die Anteile, von denen nun die Rede ist, betreffen die Formula One Group. Diese ist eine Unternehmensgruppe, welche die kommerzielle Verwertung und Werbung der Formel 1 steuert.

Ecclestone selbst ist mit 5,2 Prozent der Anteile bei weitem nicht der größte Fisch. Stattdessen besitzen drei Investment-Gruppen mehr als zwei Drittel der Anteile: CVC (34,6 Prozent), Waddell & Reed (20,9) und der Nachlass der 2008 Bankrott gegangenen Investmentbank Lehman Brothers (12,3). Die FIA selbst hält nur ein Prozent der Anteile.

Wer verkauft warum?

Schon vor Monaten wurde spekuliert, dass die luxemburgische Investmentgruppe CVC ihren Mehrheitsanteil gewinnbringend verkaufen könnte. 2006 stieg CVC in die Formel 1 ein, hat seitdem aber immer wieder Anteile für satten Gewinn verkauft. Über die Jahre hat die Private-Equity-Firma mit der Formel 1 Milliarden verdient. Mit einem Verkauf der Anteile könnte die Gruppe nun noch einmal richtig Kasse machen.

Die beiden Haupteinnahmequellen der Formula One Group sind TV-Verträge und die Austragungsgebühren, die die Strecken für ein Rennwochenende zahlen. Die Zuschauerzahlen sinken in der Formel 1 jedoch. Zudem ächzen Traditionsstrecken wie der Nürburgring oder Monza unter den Kosten. Die Luxemburger sehen den rechten Zeitpunkt zum Ausstieg offenbar gekommen.

Wer wird der neue Besitzer?

Von drei Interessenten sprach Ecclestone beim Camp Beckenbauer. Zwei heiße Kandidaten kursieren schon seit Monaten: Zum einen ein Konglomerat der Qatar Sports Investments (QSI) gemeinsam mit RSE: Die Kataris besitzen bereits den Fußballklub Paris Saint-Germain. Die Muttergesellschaft Qatar Investment Authority (QSA) hält zudem 17 Prozent der Anteile am Volkswagen-Konzern. RSE wiederum gehört dem US-Amerikaner Stephen Ross, seinerseits Besitzer des NFL-Teams Miami Dolphins.

Aber auch Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz gilt als Kandidat. Im Frühjahr und Sommer berichteten deutsche und österreichische Medien über Gespräche zwischen Ecclestone und Mateschitz über die mögliche Übernahme der CVC-Anteile durch Red Bull. In der Kitzbühel-Schalte lobte Ecclestone das Formel-1-Engagements der Österreicher als “super”. Zudem wurde Christian Horner, Teamchef von Red Bull Racing, immer wieder als möglicher Ecclestone-Nachfolger gehandelt. Er selbst bezeichnete die Gerüchte als “sehr schmeichelhaft”.

Kurios: Wie Ecclestone im Sommer der Times offenbarte, soll auch ein russischer Oligarch intressiert gewesen sein. Er habe die Formel 1 seinem Enkel schenken wollen. Ecclestone lehnte dankend ab.

Was wird aus Ecclestone?

Seit 1958 ist Bernie Ecclestone in der Formel 1 aktiv. Anfang der 1970er Jahre übernahm er die Vermarktung und machte die Rennserie zu einem Milliardenbetrieb. Und auch heute noch ist der 84-Jährige das Gesicht der Formel 1.

Angeblich soll sich daran auch mit einem neuen Besitzer nicht viel ändern. “Die Leute, mit denen ich gesprochen habe, haben mich gebeten zu bleiben”, sagte Ecclestone der Nachrichtenagentur AP. Doch hinter den Kulissen könnten sich die Kräfteverhältnisse verändern: CVC betrachtete die Formel 1 vor allem als Kuh, die gemolken werden kann. Das operative Geschäft überließen sie größtenteils Ecclestone. Kommt nun ein Mehrheitseigner mit einer eigenen Vision, müsste der langjährige Boss zurückstecken.

Zudem steht ein Verkauf der Ecclestone-Anteile an QSI im Raum, sollten die Araber die CVC-Anteile übernehmen.

Winken unter dem neuen Besitzer Reformen?

Die Fans fordern Reformen, auch die Teams zeigten sich von der geringen Investitionsbereitschaft von CVC enttäuscht. Fakt ist: Geld bringt dem Besitzer vor allem eine gesunde, wachsende Formel 1 mit attraktiven Rennen.

Mercedes-Sportchef Toto Wolff hat deshalb klare Vorstellung von einem guten Besitzer: “Für uns als teilnehmendes Team ist es wichtig, dass es einen zukunftsfähigen Teilhaber gibt, der eine langfristige Perspektive und Vision hat. Wer auch immer das sein wird, wir werden es mit Interesse verfolgen.”

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