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Weshalb die Saison dennoch spritzig bleibt

Druck bekam Lewis Hamilton nur durch seine Reifen. In Monza war die Dominanz des Briten einmal mehr imponierend.

Kurz vor Schluss machte dann auch noch ein Defekt bei Nico Rosberg alle Hoffnungen auf ein weiterhin spannendes Titelrennen zunichte. 53 Punkte Rückstand lassen befürchten, dass der WM-Kampf schon früh entschieden sein könnte.

So richtet sich der Blick – zumindest bis zu einer Hamilton-Nullnummer – auf andere Brennpunkte der Formel 1. SPORT1 beleuchtet fünf Fragen, die in den nächsten Wochen für Zündstoff sorgen werden.

Durchbricht Vettel die silberne Wand?

Lewis Hamilton mag an der Spitze enteilt sein, doch dahinter kündigt sich eine Wachablösung an. Sebastian Vettel trennen nur noch 21 Punkte vom WM-Zweiten Nico Rosberg.

Schon im Qualifying von Monza drängelten sich Vettel und Teamkollege Kimi Räikkönen vor Rosberg. Nun hat Vettel noch sieben Rennen Zeit, um den Wahl-Monegassen von Platz zwei der Fahrerwertung zu verdrängen.

Es wäre ein Fingerzeig in Richtung 2016: Mit Vettel wäre Ferrari wieder da, und könnte dann auch Weltmeister Hamilton ins Visier nehmen.

Rollen bei McLaren-Honda Köpfe?

Um große Worte ist Hondas Motorenchef Yasuhisa Arai nie verlegen. Besser als bei Konkurrent Renault seien Hondas Antriebsstränge. In Monza war davon aber einmal mehr nichts zu sehen. Während die Red Bulls trotz Strafversetzung das Feld aufrollten und Punkte sammelten, krebsten die beiden Ex-Weltmeister im McLaren-Honda hinterher.

Inzwischen bläst Arai heftiger Gegenwind ins Gesicht: Auf einer Pressekonferenz fragten ihn Medienvertreter, ob er sich bei seinen Fahrern für den schwachen Motor entschuldigt habe. Auch die Frage nach einem Rücktritt stand im Raum. Arai war in Erklärungsnot, erhielt aber noch Unterstützung von McLarens Renndirektor Eric Boullier.

Doch die Beziehung ist belastet. Nahmen sich beide Partner bislang gleichermaßen in die Pflicht, ließ Fernando Alonso in Monza seiner Enttäuschung freien Lauf. “Auf einem Kurs mit sechs Kurven verlieren wir laut GPS zwei oder drei Zehntel in diesen Kurven. Den Rest der drei Sekunden müssen wir auf den Geraden finden”, so der Spanier. Eine deutliche Kritik am flügellahmen Antrieb.

Die Geduld des Traditionsrennstalls scheint aufgebraucht. Lässt Honda Arais Worten nicht bald Taten folgen, könnte es für den Japaner ungemütlich werden.

Wie geht es mit Red Bull weiter?

Unzufrieden zeigte sich im Saisonverlauf auch Red Bull Racing mit seinen Renault-Aggregaten. Zwar nahmen die guten Resultate von Spa und Monza ein wenig Druck vom Kessel, doch laut Motorsport-total.com ist hinter den Kulissen längst entschieden, dass die Österreicher Renault zur neuen Saison den Rücken kehren. Zumal die Franzosen ohnehin Lotus übernehmen und daraus ein eigenes Werksteam formen wollen.

Mercedes hat sich nach kurzem Abwägen gegen ein Engagement bei Red Bull entschieden. “Das Thema Mercedes hat sich für uns erledigt. Wir orientieren uns jetzt anderweitig”, sagte Red Bulls Motorsportchef Dr. Helmut Marko der Bild.

Nun verhandelt das Team mit Ferrari. In Monza soll es positive Gespräche gegeben haben. Option zwei wäre eine weitere Saison mit Renault-Motoren. Und das, nachdem Red Bull derzeit versucht, ohne Einbußen aus dem eigentlich bis Ende 2016 laufenden Vertrag mit den Franzosen herauszukommen. Die dritte Möglichkeit: Ein Ausstieg aus der Formel 1. Schon zuvor hat der Getränkehersteller offen damit kokettiert.

Fakt ist: Red Bull braucht eine schnelle Entscheidung. Je früher der Motorenlieferant feststeht, desto eher kann die Arbeit am Boliden für 2016 vorangetrieben werden. Für Red Bull zählt schon jetzt jeder Tag.

Kommt ein vierter Deutscher?

Stillstand im Fahrerkarussell? Bei den Topteams ist im Vergleich zur letztjährigen Silly Season jedenfalls Ruhe eingekehrt. Dort stehen die Fahrerpaarungen für die Saison 2016 größtenteils schon. Ein Deutscher darf sich trotzdem Hoffnungen auf einen Startplatz in der Formel 1 machen. Daimler-Zögling und -Testfahrer Pascal Wehrlein glänzt derzeit in der DTM. Im kommenden Jahr soll nun der Sprung in die Königsklasse gelingen.

Ein kolportierter Motorendeal könnte dem 20-Jährigen dabei in die Karten spielen: Angeblich steht Mercedes in Verhandlungen mit Manor. Lösen die Schwaben Ferrari als Lieferant der Hinterbänkler ab, stünde die Tür für Wehrlein weit offen.

Geht das Streckensterben weiter?

Kein Deutschland-GP in diesem Jahr, und nun steht für das kommende Jahr auch noch das Traditionsrennen von Monza auf der Kippe. Wie schon am Nürburgring sind die horrenden Kosten eines Grand Prix für die Betreiber schlicht zu hoch. Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone schockte am Wochenende die Tifosi mit dem Satz: “Im Moment ist die Erneuerung des Vertrags unwahrscheinlich.”

Für die Fahrer ein Schlag ins Gesicht. “Wenn wir das hier aus beschissenen Geldgründen aus dem Kalender streichen, reißen wir uns unsere Herzen heraus. Wir sind hier, wir fahren Rennen, und das macht es so wertvoll”, zeigte etwa Sebastian Vettel kein Verständnis.

Immerhin, seit dem Rennwochenende sind Monzas Chancen auf einen Verbleib im Rennkalender auch über diese Saison hinaus wohl gestiegen. Niemand geringeres als Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi besuchte die Strecke, um mit Ecclestone zu sprechen.

Ecclestone gewährte Monza einen Aufschub bis Dezember. Bis dahin muss die Antrittsgage von 25 Millionen Euro vorliegen. Das Tauziehen geht also weiter.

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