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Neuer Motorpartner! Red Bull trennt sich von Renault

Vier Jahre der Vettel-Dominanz, acht gemeinsame WM-Titel – und doch war die Verkündung nur eine Frage der Zeit. Das Formel-1-Team Red Bull trennt sich am Saisonende nach zwölf Jahren von Motorenlieferant Renault und wechselt zu Honda. Ausgerechnet mit den seit Jahren ein wenig belächelten Japanern sieht der ehemalige Rennstall von Sebastian Vettel die wohl einzige Chance, an alte Erfolge anzuknüpfen.

“Diese mehrjährige Vereinbarung mit Honda signalisiert den Start einer neuen, aufregenden Phase in Red Bulls Anstrengungen nicht nur um Rennsiege, sondern auch um WM-Titel zu kämpfen”, sagte Teamchef Christian Horner.

Wende bei Red Bull nötig

Eine Wende ist nötig, denn die Glanzzeiten mit Renault stammen gefühlt aus einer anderen Zeitrechnung. Zuletzt 2013 gewann die österreichisch-französische Kombination die Titel in Fahrer- und Team-WM, danach brachte das neue Motoren-Reglement einen Bruch in die Zusammenarbeit. Die alten Achtzylinder-Saugmotoren wurden abgelöst durch die bis heute umstrittenen Sechszylinder-Turbos, die zudem über einen Hybridantrieb verfügen. (SERVICE: Fahrerwertung)

Diese Regeländerung beförderte Renault ins Hintertreffen, die Motorenschmiede in Viry bekam die Motoren weder standfest noch leistungsstark. Die jahrelang harmonische Beziehung zu Red Bull erkaltete zunehmend. Gegenseitige Schuldzuweisungen gipfelten in Ausstiegsdrohungen Red Bulls und einer vorzeitigen Trennung Ende 2015. Aus Mangel an Alternativen einigte sich Red Bull damals aber doch noch auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Renault, die Motoren firmieren seitdem offiziell unter einem Sponsorennamen.

McLaren erlebte mit Honda ein Debakel

Dass ausgerechnet mit Honda die Wende gelingen soll, erscheint zunächst wenig plausibel. Mit McLaren erlebten die Japaner von 2015 bis 2017 ein Debakel, teilweise schien Honda von der Komplexität der Power Units überfordert zu sein. Ende der vergangenen Saison trennten sich daher die Wege.

Doch Red Bull hatte schon lange ein Auge auf eine Zusammenarbeit mit Honda geworfen. Denn die Japaner sind der einzige der aktuell vier Motorenhersteller, der kein eigenes Werksteam in der Formel 1 betreibt. Folglich würde Red Bull selbst das Werksteam sein und von den Vorzügen, etwa der sofortigen Nutzung aller Updates und der passgenauen Zusammensetzung von Motor und Chassis, profitieren.

Red Bull nutze Tochter-Team als Versuchslabor

Allerdings wollte Red Bull nicht die Katze im Sack kaufen. Also nutzt der Getränkekonzern sein B-Team Toro Rosso als Versuchslabor. Seit dieser Saison fahren die Italiener mit Honda – und wissen durchaus zu überzeugen. Die technischen Defekte der Honda-Aggregate sind deutlich zurückgegangen, der junge Pierre Gasly holte bereits mehr WM-Punkte als Fernando Alonso im gesamten Vorjahr.

Und dennoch stellt der Wechsel auch ein Risiko dar. In der laufenden Saison gewann Red Bull bereits zwei der sieben Rennen, mit einer konstanteren Leistung des eigentlichen Aushängeschildes Max Verstappen wäre das Punktekonto noch praller gefüllt. Entwickelt sich Honda nicht deutlich weiter, könnte sich der Wechsel daher als folgenschwerer Fehler herausstellen. Ein endgültiger Ausstieg Red Bulls aus der Formel 1 würde dann wieder konkrete Formen annehmen. Red Bull geht nun also “All in”.

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Formel 1 setzt weiter auf Traditionskurs Spa

Der Traditionskurs von Spa-Francorchamps in Belgien bleibt der Formel 1 bis mindestens 2021 erhalten.

Pierre-Yves Jeholet, Wirtschaftsminister der Wallonischen Region, und Vertreter des Formel-1-Rechteinhabers Liberty Media haben am Freitag eine entsprechende Vereinbarung über weitere drei Jahre geschlossen. Der bisherige Kontrakt lief mit dem Rennen am 26. August aus. (SERVICE: Der Rennkalender der Formel 1)

“Das ist ein guter Vertrag, denn er stellt sicher, dass Wallonien eine Veranstaltung behält, welche die Region in der ganzen Welt bekannt macht”, sagte Jeholet der Tageszeitung L’Echo: “Das ist eine neue Ära, denn erstmals haben wir mit den Chefs von Liberty Media verhandelt.”

Besondere Strecke für Schumacher

Die Hochgeschwindigkeitsstrecke in den Ardennen ist mit Unterbrechungen seit 1950 Austragungsort des Großen Preises von Belgien. Der spätere Rekordweltmeister Michael Schumacher feierte auf dem Kurs, der berühmt ist für die Kurvenkombination Eau Rouge, 1991 sein Königsklassendebüt. Ein Jahr später gewann er in Spa sein erstes Formel-1-Rennen.

Die Nachricht macht Hoffnung für die Zukunft des Großen Preises von Deutschland. Der Vertrag zwischen der Betreibergesellschaft des Hockenheimrings und der Formel 1 läuft mit dem Rennen am 22. Juli aus. Laut Ringchef Georg Seiler werden seit geraumer Zeit konkrete Gespräche mit Liberty Media geführt.

Seiler knüpft eine Vertragsverlängerung allerdings an günstigere Bedingungen. Laut des aktuellen Kontrakts, den noch der langjährige Königsklassen-Promoter Bernie Ecclestone abgeschlossen hatte, kassiert die Formel 1 eine Antrittsprämie von rund 20 Millionen Euro pro Rennen, das finanzielle Risiko trägt der Streckenbetreiber.

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Fußball-WM löst Terminhatz in Formel 1 aus

Für die Formel 1 steht in dieser Saison eine Premiere an: ein Triple-Header. Das bedeutet, dass drei Rennen an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden ausgetragen werden.

Der erste Grand Prix aus dem Dreierpaket findet am 24. Juni in Frankreich statt, dort feiert die Formel 1 nach 28 Jahren ihr Comeback in Le Castellet. Am darauf folgenden Wochenende geht es nach Österreich, eine Woche später steht das Heimrennen für Mercedes-Pilot Lewis Hamilton in Silverstone an.

Am 15. Juli pausiert die Formel 1 dann. Der Grund: Die Rennserie muss sich dem Fußball “unterwerfen”. An diesem Sonntag findet in Moskau das Finale der WM statt. Die Anstoßzeit ist auf 17 Uhr MEZ festgelegt.

Formel 1 ist sich Belastung bewusst

Die Formel-1-Besitzer von Liberty Media wollten nicht mit dem wichtigsten Fußball-Spiel in diesem Jahr konkurrieren. “Es wird von der WM diktiert, für einen Promoter wäre es hart, ein Rennen zu veranstalten, das fast zeitgleich mit einem WM-Finale läuft”, erklärte Geschäftsführer Chase Carey.

Bei den Machern der Formel 1 ist man sich der Belastung für Teams und Fahrer bewusst. “Wir haben mit den Teams gesprochen und wir respektieren auch ihren Verschleiß”, sagte Carey. Allerdings: “Wir haben es dann aber für durchführbar empfunden, da alle drei Rennen in Europa stattfinden.”

Haas-Teamchef Steiner warnt

Die hohe Belastung für die Mitarbeiter der Teams ist aber nicht das einzige Problem. Zu viele Rennen verringern auch automatisch etwas den Wert jedes einzelnen für die WM – und auch die Vorfreude der Fans auf das nächste Rennen könnte unter der Vielzahl leiden.

Haas-Teamchef Günther Steiner warnt deshalb: ”Wir werden es bei dem Triple-Header herausfinden, wie schwierig das ist. Wir werden kämpfen müssen und vielleicht feststellen, dass es einen Sättigungspunkt für die Öffentlichkeit gibt. Wir müssen vorsichtig sein.”

Nach der kurzen Pause während des WM-Endspiels geht es für die Formel-1-Piloten auch gleich wieder weiter. Es folgen die Rennen in Deutschland (22.7.) und Ungarn (29.7.). Erst danach können Fahrer und Teams in die vierwöchige Sommerpause starten.

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Langeweile in der Formel 1? Vettel und Hamilton uneinig

Das Rennen in Kanada hat unter den zwei größten WM-Rivalen unterschiedliche Meinungen hervorgerufen.

Lewis Hamilton, der in Montreal Fünfter wurde, findet, dass die Formel 1 in dieser Saison wenig spannend ist. “Einige meiner Freunde haben gesagt, der interessanteste Teil des Rennens wäre der Unfall am Anfang gewesen”, berichtet der Mercedes-Fahrer. “Wenn es darum in der Formel 1 geht, tut es mir leid, das zu hören.”

Ferrari-Pilot Sebastian Vettel hingegen sieht keinen Grund zur Kritik. “Ich denke nicht, dass es angebracht wäre, das Racing zu kritisieren – oder dieses Rennen. So ist das Leben. So ist Motorsport.”

Vettel zieht Parallele zu Fußball-WM

Der Kanada-Sieger zog einen Vergleich zur anstehenden Fußball-WM in Russland. “Ab nächster Woche ist Fußball-WM und ich garantiere, dass es Spiele geben wird, die kaum spektakulär sind”, sagte der Sieger von Montreal. “Aber die Leute werden sie sich anschauen, denn einige Partien werden unglaublich sein.”

“Aber es kann nicht immer besser werden”, so Vettel weiter. “Einige GP sind sehr spannend, andere sind eher langweilig, das ist ganz normal.”

Auf der Strecke in Montreal gab es nur 22 Überholmanöver in 70 Runden und damit sogar weniger als im viel kritisierten Monaco-GP (36 Wechsel).

Hamilton: Sport geht in falsche Richtung

Hamilton hat Ideen, wie man die Probleme lösen könnte. Er würde die Antriebsreglements nicht weiter verschärfen, weil die Piloten dadurch weniger aggressiv fahren, um das Material zu schonen. “Es würde lächerlich”, sagte Hamilton und befindet: “Der Sport geht meiner Meinung nach in die falsche Richtung.”

Auch Vettel hatte eine klare Meinung zum Thema Spannung. “Ach, schreibt doch etwas anderes”, teilte er den Journalisten in Kanada mit.

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Presse: "Das könnte Hamilton teuer zu stehen kommen"

Sebastian Vettel hat mit seinem Jubiläumssieg beim Großen Preis von Kanada die WM-Führung an sich gerissen. Der Sieg war ein Big Point im WM-Duell mit Hamilton: Der Weltmeister im Mercedes wurde nur Fünfter und liegt im Klassement nun wieder einen Punkt hinter Vettel.

Während die italienischen Medien den Ferrari-Piloten überschwänglich feiern und über “König Vettel” jubeln, prasselt harsche Kritik auf Hamilton und Mercedes ein. 

SPORT1 hat die wichtigsten Pressestimmen von Großen Preis von Kanada zusammengefasst: 

ENGLAND:

Daily Mail: “Lewis Hamiltons Stimme im Boxenfunk hatte bereits weit vor dem Ende des kanadischen Grand Prix den Ton der Verzweiflung angenommen. Die Maske der Unverwundbarkeit von Mercedes ist in Montreal noch ein wenig stärker verrutscht als zuvor in der Saison. Die hohen Standards zu halten, die sie in vier Jahren der totalen Dominanz gesetzt haben, ist eine sehr schwere Aufgabe. Toto Wolff glaubt, dass Mercedes einen massiven Weckruf benötigt.”

The Sun: ”Es war insgesamt ein langweiliges Rennen. Der beste Teil war wahrscheinlich, als Model Winnie Harlow eine Runde zu früh die karierte Flagge schwenkte, um das Rennen zu einem schnellen Ende zu bringen.”

The Guardian: ”Sebastian Vettels Sieg beim Großen Preis von Kanada bedeutete für den Fahrer und sein Team enorm viel. Aber obwohl er die Bedeutung für die Weltmeisterschaft herunterspielte, könnte sich das Ergebnis als Wendepunkt erweisen. Vettels Sieg war absolut dominant. Von wirklichem Wert aber ist der Schlag, den er seinem Rivalen Lewis Hamilton zufügte.”

The Telegraph: “Blinder Optimismus könnte uns dazu bringen, den Grand Prix von Kanada als den perfekten Plot-Verdicker für die diesjährige Meisterschaft zu verstehen. Aber Toto Wolff, der perfektionistische Mercedes-Teamchef, bot eine etwas andere Sichtweise. Verärgert über das unwiderstehliche Tempo von Ferrari in Montreal sagte der Österreicher: ‘Es ist ein Scheiß-Ergebnis für uns. Wir müssen aufwachen.’ Seit 2014 war Mercedes unantastbar dominant. Doch die Leichtigkeit, mit der Vettel seinen 50. Sieg feiern konnte, zeigte, dass die Bedrohung durch Ferrari selten stärker war.”

Daily Mirror: ”Vettel hatte von der Startampel bis zur Zielflagge alles im Griff. Hamilton, der so oft der Meister in Montreal war, musste sich mit Platz fünf begnügen. Der Titelverteidiger und sein Team erlebten ein Wochenende zum Vergessen. Anders als alle Rivalen konnte Mercedes das geplante Motor-Upgrade beim siebten Rennen nicht bringen – das könnte Hamilton teuer zu stehen kommen.”

ITALIEN

Gazzetta dello Sport: “Vettel, König in Montreal! Auf der Strecke, auf der mit einem klaren Mercedes-Sieg gerechnet wurde, hat Vettel von der Qualifikation bis zum letzten Meter das Rennen dominiert und diese WM auf den Kopf gestellt. Eine Kraftprobe mit vielen positiven Eindrücken. Der Ferrari bestätigt seinen Status als perfektes Auto. Der neue Motor ist schnell und zuverlässig. Hamilton leidet dagegen unter der alten Power Unit, viel mehr als sein Teamkollege Bottas”.

Corriere dello Sport: “Roter Engel: Vettel siegt in Kanada auf Villeneuves Rennstrecke. 40 Jahre nach Villeneuves erstem Sieg mit Ferrari feiert Maranello König Sebastian. Sein Sieg verleiht dieser Weltmeisterschaft neuen Schwung. Großartiger Vettel: Seine Leistung ist reine Perfektion. 14 Jahre nach Schumachers letztem Sieg in Kanada kehrt er an die Spitze der WM zurück. Ein großartiger Tag für Sebastian, ein Pechtag für Hamilton. Ferrari hofft, dass sich solche Tage von nun an öfters wiederholen.”

Tuttosport: “Kanada liegt zu Vettel zu Füßen. Vettel dominiert den Großen Preis von Kanada und feiert seinen 50. Karriere-Sieg. Der Deutsche kehrt mit einem Punkt Vorsprung vor Hamilton an die Spitze der Weltmeisterschaft zurück.”

La Repubblica: “Vettel tanzt auf der Historie. Er wollte auf Villeneuves Rennbahn siegen. Sebastian ist wieder der Leader dieser Weltmeisterschaft. Für Ferrari ist der Weg zum Titel noch lang, doch jetzt ist die WM wieder offen.”

Corriere della Sera: “Vettels Sieg in Montreal räumt jeglichen Zweifel über die Zuverlässigkeit seines Autos aus. Wenn Vettel keinen einzigen Fehler macht, wenn die Taktik effizient ist, ist Ferraris Domäne unbestreitbar. Das Team von Maranello wächst von Mal zu Mal. Das ist kein einfaches Jahr für Hamilton, der immer häufiger mit Schwierigkeiten konfrontiert ist.”

La Stampa: “Perfektes Rennen für Vettel. Der deutsche Pilot feiert den dritten Sieg nach Australien und Bahrain. Mit dem neuen Motor hat Vettel ein Juwel in der Hand, der ihm weitere Siege bescheren wird. Hamilton muss sich mit einem alten und müden Motor begnügen, obwohl er auf dieser Strecke bereits sechsmal gesiegt hatte.”

SPANIEN

Marca: ”Ein perfekter Sebastian Vettel dominierte das Rennen in allen Belangen, auf einen Schlag zieht er in der Punktetabelle wieder an Hamilton vorbei. Der Kampf um die WM-Krone geht wieder bei Null los. Bottas wurde Zweiter, hatte aber kaum den Hauch einer Chance. Vettel lässt die Muskeln spielen.”

AS: “Vettel ließ diesmal niemanden an sich ran. Es war nicht der Tag des Lewis Hamilton, mit seinem fünften Platz verliert er die WM-Führung an seinen deutschen Rivalen. Durch Vettels Sieg kommt wieder Spannung im Kampf um die Weltmeisterschaft auf. Keiner konnte Vettel das Wasser reichen. Alonso braucht einen besseren Boliden, so kann es nicht weitergehen.”

Sport: “Vettel beendet Hamiltons Herrschaft in Kanada. Vettels Sieg war eigentlich nie in Gefahr, er zog sein Ding problemlos durch. Es sieht immer mehr nach einem Zweikampf um die Krone zwischen Vettel und Hamilton aus.”

El Mundo Deportivo: “Vettel haut auf den Tisch im Kampf um den WM-Titel. Hamilton musste leiden, um überhaupt noch als Fünfter durch das Ziel zu fahren. Bottas war auch nicht in der Lage, dem Deutschen die Stirn zu bieten. Der Sieg ist eminent wichtig für die Moral von Vettel, der durch diesen Sieg seine Ansprüche gestellt hat. Wir können uns auf ein schönes und spannendes Duell zwischen Hamilton und Vettel freuen.”

SCHWEIZ

Neue Zürcher Zeitung: “Es war alles angerichtet für ein dramatisches Ende des ersten Saisondrittels. Doch es blieb auf dem Circuit de Gilles Villeneuve ähnlich zäh wie bei der Prozession zuletzt in Monte Carlo.”

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So schmiss Mercedes Hamiltons WM-Führung weg

Führungswechsel in der Formel 1.

Während Sebastian Vettel mit seinem ersten Ferrari-Sieg in Montreal an Lewis Hamilton in der WM-Wertung vorbeizog, herrschte bei Mercedes Ratlosigkeit. Lediglich Platz fünf stand für Weltmeister Hamilton zu Buche. (SERVICE: Das Renn-Ergebnis aus Montreal)

Für Teamkollege Valtteri Bottas reichte es immerhin zu Rang zwei, eine echte Siegchance hatte er jedoch nicht. (SERVICE: Die Fahrer-Wertung)

“Das ist echt ein scheiß Resultat für uns. Wir haben das ganze Wochenende leichte Fehler reingehauen. Das einzige Gefühl, das ich habe, ist, dass wir jetzt aufwachen müssen. Wir fallen überall zurück”, schlug Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff im Interview mit ORF Alarm. (SERVICE: Die Stimmen zum Kanada-GP)

Doch warum waren die Silberpfeile auf einer vermeintlichen Mercedes-Strecke nicht ebenbürtig mit Ferrari? SPORT1 begibt sich auf Spurensuche.

Star-Pilot Hamilton von der Rolle

Dass Hamilton im Laufe einer Saison ab und an Wochenenden hat, an denen es nicht hundertprozentig rund läuft, ist bekannt. Doch in dieser Saison häufen sich die Probleme, Hamilton scheint nur mit einem perfekt funktionierenden Mercedes Top-Leistungen abrufen zu können. Ist dies nicht der Fall, hat Teamkollege Bottas immer öfter die Nase vorn – so auch in Montreal.

Natürlich hatte der viermalige Weltmeister mit technischen Problemen zu kämpfen, für die er nichts konnte. Doch Hamilton leistete sich auch so viele Fahrfehler wie man es von ihm an einem einzigen Wochenende selten zuvor gesehen hatte.

So schmiss er im Qualifying einen besseren Startplatz weg, indem er gleich zweimal in der Haarnadelkurve patzte. Im Rennen hatte der Brite eine große Chance Daniel Ricciardo zu überholen, als er beim Messpunkt vor der langen Geraden nur drei Zehntel hinter dem Red-Bull-Piloten lag – dann verbremste er sich, als es darauf ankam. 

Ex-Teamkollege Rosberg sprach bei RTL sogar davon, dass Hamilton Kampfgeist vermissen lasse. (SERVICE: Die Team-Wertung)

Ausbleibendes Motoren-Update 

Was Hamilton bereits vor Beginn des Rennwochenendes die Laune verhagelte, war das ausbleibende Motoren-Update für den Hochgeschwindigkeitskurs in Montreal. Während Vettel mit verbesserten Ferrari-Aggregaten starten konnte, mussten die Silberpfeile aufgrund von “Qualitätsproblemen” auf ein Upgrade verzichten.

“Das ist ausgesprochen unglücklich. Der Motor macht schon sein siebtes Rennen. Nach rund 7.000 Kilometern muss es an PS fehlen”, unkte Hamilton bereits vor dem 1. Freien Training. Nach dem Rennen schob er noch eine Generalkritik an der Motorenregelung hinterher: “Es hat auf jeden Fall mehr Spaß gemacht, als man noch mehrere Motoren zur Verfügung hatte. Der Sport geht in die falsche Richtung.”

Angesichts der Tatsache, dass der Abstand zwischen Ferrari, Mercedes und Red Bull in Kanada äußerst gering war, hätte das Motoren-Update tatsächlich entscheidende Zehntel pro Runde bringen können (SERVICE: Der Rennkalender der Saison 2018 im Überblick).

“Der WM-Titel wird in diesem Jahr derjenige holen, der die die wenigstens Fehler macht und jedes einzelne Wochenende die beste Motorentwicklung auf die Strecke bringt”, sagte Wolff bei Sky.

Probleme mit Chassis und Benzin

Der Motor sollte aber nicht das größte Problem von Hamilton im Rennen sein: Chassis-seitige Schwierigkeiten mit der Power-Unit-Kühlung brachte ihn gehörig ins Schwitzen, denn er rechnete jeden Moment mit dem Rennausfall.

“In jeder einzelnen Runde war ich am Abgrund und habe gewartet, dass die Leitung in den Keller fällt. Denn sie ist immer mal gefallen und wiedergekommen”, sagte Hamilton nach dem Rennen.

Mercedes sah sich dazu gezwungen, Hamilton früher als geplant in die Box zu holen, um ein paar Kühlöffnungen am Fahrzeug zu vergrößern. Das half tatsächlich – doch der Weltmeister kam hinter Sauber-Pilot Charles Leclerc wieder auf die Strecke. Das kostete ihn so viel Zeit, dass Ricciardo dank eines Overcuts an Hamilton vorbeikam.

Ein weiteres Problem, welches vor allem Bottas betraf, war der Benzin-Verbrauch. Der Finne hatte in der zweiten Rennhälfte auf Vettel aufgeholt und war nur noch drei Sekunden zurück. Doch dann musste Bottas kräftig Benzin sparen und verlor so viel Zeit, dass er sich am Ende gerade noch vor Max Verstappen ins Ziel retten konnte.

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"Immer turbulent": Vettels Angst vor einem Chaos-Rennen

Am Ende stand die Pole, zuvor erlebte Sebastian Vettel im Qualifying zum großen Preis von Montreal (ab 20 Uhr im LIVETICKER) jedoch eine gewaltige Schrecksekunde. 

Der Ferrari-Pilot fuhr auf seiner schnellen Runde in Q2 auf eine Gruppe von langsamen Fahrern auf: Kevin Magnussen (Haas) sowie Nico Hülkenberg und Carlos Sainz (beide Reanult). 

Das Trio bummelte durch die letzte Schikane und zwang den anrauschenden Vettel zu einem waghalsigen Bremsmanöver.

Noch am Funk fluchte der Deutsche: ”Es ist doch einfach lächerlich, was die Kerle da anstellen.”

Vettel sauer auf Bummler

Als er später in der Media Area vor die Mikrofone trat, legte Vettel nach: ”Ich habe auf der Geraden Vollgas drauf und sie fahren dort mit 80 km/h herum! Da waren drei Autos – keine Chance. Entweder wurden sie nicht informiert oder haben nicht aufgepasst. Ich hätte gar nicht um sie herumkurven können.”

Die Szene und ihr Nachklapp verdeutlichte, wie sehr es Vettel stört, wenn unbeteiligte Kollegen seine Siegchancen torpedieren.

Nach vier sieglosen Rennen beträgt der Rückstand in der Fahrerwertung inzwischen 14 Punkte. In Kanada muss die Scuderia den Turnaround schaffen. 

Aus deutscher Sicht ist die Strecke am Circuit Gilles Villeneuve nicht das schlechteste Omen. Michael Schumacher gewann hier sieben Mal. 

Rekord von Schumacher in Gefahr

Der einzige, der ihm diesen Rekord auf absehbare Zeit streitig machen kann, ist Lewis Hamilton. Fährt der Mercedes-Pilot am Sonntag auf Platz eins, würde er mit Schumacher gleichziehen. Genau das will Vettel jedoch verhindern.

Das erste Duell bei der Zeitenjagd am Samstag hat er schon mal gewonnen. Zum ersten Mal seit 2001 steht in Kanada wieder ein Ferrari auf der Pole. Hamilton geht nur von Platz vier ins Rennen. (DATENCENTER: Das Qualifying-Ergebnis)

“Ich bin heute nicht Mister Montreal, das ist definitiv Sebastian Vettel”, sagte der Brite nach der Qualifikation. Wer Hamilton kennt, der weiß: Das war noch lange kein Eingeständnis in eine Niederlage. 

Vettel: “Wäre noch schneller gewesen”

Selbst wenn Vettel verlauten ließ, er hätte sogar noch Reserven gehabt. ”Ich hatte in der letzten Runde noch einen kleinen Fehler drin, sonst wäre es noch schneller gewesen”, sagte er.

Da bei Ferrari am Samstag vieles besser lief als am Tag zuvor, schob die Konkurrenz nach dem Qualifying Frust. 

Mercedes Motorsport-Chef Toto Wolff fand es “relativ enttäuschend”, dass nur einer seiner Fahrer (Valtteri Bottas auf Platz 2) den Sprung in die erste Reihe geschafft hatte. 

Noch enttäuschter war man bei Red Bull. Das Team hatte die Trainingssessions am Freitag klar beherrscht. 

“Es wäre mehr drin gewesen als Platz sechs. Dass ich jetzt am Ende der Top 6 stehe, ist schon frustrierend”, schimpfte Monaco-Sieger Daniel Ricciardo.

Kampfansage von Verstappen

Max Verstappen, der von Platz drei aus startet, war da schon etwas zuversichtlicher, was den Sonntag angeht. “Ich denke, im Rennen sollten wir konkurrenzfähig sein”, sagte er. 

Seine Kampfansage an die Rivalen unterstrich der Niederländer mit Aussagen im hauseigenen Magazin The Red Bulletin

“Mein Job ist es Rennen zu gewinnen und alles zu unternehmen, dieses Ziel auch tatsächlich zu erreichen”, sagte Verstappen. “Ohne Egoismus gibt es keinen Erfolg.”

Eine Botschaft, die in Zusammenhang mit seinem Fahrverhalten in den vergangenen Wochen eine gewisse Brisanz hat. 

Droht Vettel womöglich erneut eine Crash-Gefahr von hinten? Mit Verstappen ist er in diesem Jahr bereits auf der Strecke kollidiert. 

Mit Blick auf das spezielle Montreal-Rennen, wo es traditionell kracht, beschwörte der Red-Bull-Pilot jedenfalls bereits die Rolle des Safety Cars. Selbiges könne “über den Rennausgang entscheiden”, sagte er.

Ferraris Siegchancen stehen gut

Vettel weiß, was in 70 Runden auf ihn zukommen kann. ”Hier kann immer was passieren, hier geht es immer turbulent zu”, sagte er. 

Geht es nach Vettel, dann wird ihn aber selbst die berüchtigte “Wall of Champions”, eine von vielen lauernden Gefahren, nicht von seiner Sieg-Mission abhalten.

“Ich bin kein Buchmacher, aber ich würde sagen, meine Chancen sind ziemlich gut”, sagte er. 

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