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Ferrari erklärt Boxenstopp-Patzer

Die Formel-1-Saison des traditionsreichen Ferrari-Rennstalls ist ein ziemlicher Albtraum, doch das Team des scheidenden Sebastian Vettel hat nach eigenen Angaben zumindest den Grund für die schwachen Boxenstopps in diesem Jahr ausgemacht.

Die Probleme seien auf “ein spezifisches Problem zurückzuführen, das mit der Radmutter zusammenhing”, sagte Diego Ioverno, der leitende Ingenieur für den Betrieb der Fahrzeuge in einer Presseaussendung der Scuderia.

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“Das Gewinde ist nicht stark genug, und so hat sich die Mutter schon mehrmals gelöst. Es ist ein Zuverlässigkeitsproblem, an dem wir hart arbeiten, um es für das nächste Jahr zu beheben”, erklärte er weiter.

Ferrari mit schwachen Boxenstopps

Vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi am Sonntag (14.10 Uhr im LIVETICKER) hätten 22 Prozent der Stopps des Teams länger als 3,5 Sekunden gedauert.

“Alles, was über dieser Marke liegt, um alle vier Räder zu wechseln, gilt als ernsthafter Fehler”, merkte Ioverno an: “Der Ausgang der Saison wäre mit weniger Boxenstopps ohne schwerwiegende Fehler nicht viel anders verlaufen, aber es hätten vielleicht ein paar Punkte mehr auf der Ergebnistafel gestanden.”

Ferrari wird die Saison aller Voraussicht nach auf dem sechsten Rang der Konstrukteurs-WM beenden. Schlechter hat der erfolgreichste Rennstall der Formel-1-Geschichte zuletzt vor 40 Jahren abgeschnitten. Das große Manko des SF1000 ist allerdings der Motor, der seit einer Regel-Klarstellung beim Benzindurchfluss vor gut einem Jahr der schwächste im Feld ist.

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Vettel schlägt zurück: "Ich habe das Fahren nicht verlernt!"

Am kommenden Wochenende endet die Ära Sebastian Vettel bei Ferrari.

Nach sechs Jahren wird der viermalige Weltmeister beim Großen Preis von Abu Dhabi sein letztes Rennen für die Scuderia bestreiten. (Formel 1: Der Große Preis von Abu Dhabi, Sonntag ab 14.10 Uhr im LIVETICKER)

Im SPORT1-Interview erklärt Vettel, warum die einstige Liebesbeziehung mit Ferrari in die Brüche ging, spricht über Vertrauen und seinen Neustart bei Aston Martin 2021.

Vettel über Vertrauen: “Gibt gute und schlechte Haie”

SPORT1: Herr Vettel, im Gegensatz zur breiten Öffentlichkeit haben Sie immer in Ihre Fähigkeiten vertraut. Nun geht an diesem Wochenende Ihre Ferrari-Ära vorbei. Ganz grundsätzlich: Welchen Wert spielt das Wort Vertrauen in Ihrem Leben?

Vettel: Im Unterbewusstsein ist Vertrauen ganz weit vorne, weil es für uns alle eine große Bedeutung hat. Es steht für Teamgeist, Wahrheit, Richtigkeit.

SPORT1: Gibt es Menschen, denen Sie im Haifischbecken der Formel 1 vertrauen?

Vettel: Ja, die gibt es. Es gibt gute Haie und schlechte Haie (lacht). Im Ernst: In der Formel 1 arbeiten immer noch Menschen und da gibt es schon welche, die man schätzt und auf die man hört.

SPORT1: Wie wichtig ist Vertrauen innerhalb des eigenen Teams?

Vettel: Extrem wichtig. Weil man ja zusammen etwas erreichen und nicht allein auf weiter Flur stehen will. Dafür ist Vertrauen das Grundnahrungsmittel. Das Gegenteil wäre ja Misstrauen. Und dann wäre der Weg, den man zusammen beschreiten will, sehr, sehr weit weg. Und da es in der im wahrsten Sinne des Wortes schnelllebigen Formel 1 nicht um Tage, Stunden oder Minuten geht, sondern um Hundertstelsekunden, erklärt sich das von selbst. (SERVICE: Fahrerwertung)

Vettel: Darum klappte es bei Ferrari nicht

SPORT1: Als Sie 2015 zu Ferrari wechselten, wirkten Sie geradezu euphorisch, was das Vertrauen in Ferrari betrifft. Sie waren richtig heiß darauf, den Fußstapfen ihres Vorbildes Michael Schumacher zu folgen. Wie ernüchternd ist jetzt die Erkenntnis, das nicht geschafft zu haben?

Vettel:(denkt lange nach) Natürlich ist man erst mal enttäuscht, weil man das Ziel, das man sich selbst gesteckt hat, nicht erreichen konnte. Aber man hat am Ende nur zwei Möglichkeiten damit umzugehen: Entweder, man zerbricht daran – oder man kommt stärker zurück. Die erste Option kommt für mich nicht in Frage. Ich schaue immer nach vorne und glaube fest daran, dass es irgendwie immer weitergeht. Und das Irgendwie ist entscheidend. Manchmal kannst du Dinge nicht ändern, die von außen beeinflusst sind. Aber entscheidend ist, wie du dann damit umgehst.

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SPORT1: Trotzdem: Die letzten zwei Jahre, so war zumindest der Eindruck, ist die Anfangseuphorie verschwunden. Sie haben das anders formuliert: “Es ist keine Liebesbeziehung mehr.” Gerade ein Mensch, der wie Sie emotionale Konstanz so groß schreibt, muss doch von der Erkenntnis, dass es in der Formel 1 keine Liebe auf Lebenszeit gibt, davon besonders getroffen worden sein.

Vettel: Dafür gibt es viele Erklärungen. Unter dem Strich geht es um Erfolg, um das Erreichen der Ziele, die man sich setzt. Die ersten Jahre waren auch vielversprechend, die letzten Jahre dann nicht mehr. Auch wenn jeder mit dem ganzen Herzen dabei war. Es hat am Ende aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Die gesteckten Ziele haben wir verfehlt. Und dann nimmt logischerweise auch die Anfangseuphorie ab. (SERVICE: Konstrukteurswertung)

Ferrari-Abschied? “Aufgaben mit Anstand zusammen zu Ende bringen”

SPORT1: Jean Todt hat die Erfolge, die er zusammen mit Michael Schumacher bei Ferrari gefeiert hat, genau andersrum erklärt. Die vielen Rückschläge, die man hatte, haben den Zusammenhalt verstärkt, das Vertrauen vergrößert und am Ende zu dieser großen Stärke geführt. Hätten Sie das in Ihrer Zeit nicht auch gerne so erlebt?

Vettel: Ich glaube, im Prinzip war das am Anfang auch so. Dann hat man aber festgestellt, dass es eben nicht mehr so zusammen passt. Das sollte man aber nicht zu negativ sehen, denn für mich ist das eher normal. Wichtig ist, dass alle Parteien individuell positiv nach vorne schauen. Klar hätte man sich im Nachhinein manche Dinge anders gewünscht. Aber bereuen tue ich nichts. Wichtig ist, die verbleibenden gemeinsamen Aufgaben mit Anstand zusammen zu Ende zu bringen.

SPORT1: Ein Formel-1-Pilot ist mehr als die meisten anderen Sportler von seinem Werkzeug abhängig – in Ihrem Fall vom Auto. Und da hat Ihnen das Vertrauen in diesem Jahr ja grundsätzlich gefehlt.

Vettel: Vertrauen ins Auto ist natürlich für uns extrem wichtig. Bei uns geht es ja wie anfangs erwähnt um Hundertstelsekunden. Wenn dein Auto dir da nicht ganz geheuer vorkommt, hast du in diesem engen Wettbewerb keine Chance. Dann zögerst du mal hier, verschenkst mal eine Zehntel dort. In der Summe stehst du dann auf verlorenem Posten, wenn es darum geht, ganz oben anzugreifen. Da machen selbst kleine Dinge am Ende den Unterschied.

Vettel: Das war bei Red Bull besser als bei Ferrari

SPORT1: Zu Ihren glorreichen Red-Bull-Zeiten hatten Sie blindes Vertrauen in Ihr Auto. Sie konnten mit ihm spielen. Warum konnten Sie das nicht mit dem Ferrari?

Vettel: Das ist eine komplexe Angelegenheit. Das Fahrverhalten eines Autos verändert sich ja quasi jede Runde, das Verhalten der Reifen ebenso. Grundsätzlich kann man sagen: Wenn du dein Auto kennst, wenn du ihm vertraust, weißt du schon vorher, was es macht. Dann fährst du instinktiv, machst automatisch das Richtige. Hast du aber Zweifel und musst vorher zu viel nachdenken, verlierst du eben die entscheidende Zeit. Beim Ferrari ist das bei mir leider so. Das Auto hat aber kein spezielles Problem, es ist die Summe von Kleinigkeiten. Im Qualifying, das steht fest, war ich weiter vom Limit des Autos weg als in den Rennen.

SPORT1: Sie mussten dafür einige Kritik einstecken. Hat das Ihr Vertrauen in Sie selbst geschmälert, das Vertrauen in Ihre Fähigkeiten?

Vettel: Wenn man selbstkritisch ist, hat man immer Zweifel. Aber ich habe das Fahren nicht verlernt, sondern analysiere viel eher, woran es liegt, dass ich meine Fähigkeiten nicht zu 100 Prozent abrufen konnte. Wie gesagt: Ich bin selbst mein größter Kritiker. Ich weiß: Auf und neben der Strecke hätte ich Dinge anders machen können. Da geht es auch um Prioritäten, die man vielleicht falsch setzt. Oder um zwischenmenschliche Themen. Aber indem man das reflektiert, entwickelt man sich ja auch weiter und wird stärker.

Harter Zweikampf mit Hamilton? “Nie irgendwelche Bedenken”

SPORT1: Beim harten Zweikampf bei über 300 km/h muss man ja auch seinen Gegnern vertrauen. Gibt es da Unterschiede?

Vettel: Das will ich hier nicht beantworten. Denn egal, was ich von mir gebe: Einige könnten da immer negative Rückschlüsse ziehen. Aber sagen wir mal so: Bei einem harten Zweikampf mit Lewis Hamilton habe ich nie irgendwelche Bedenken.

SPORT1: Was macht ihn denn so besonders vertrauenserweckend?

Vettel: Erfahrungswerte aus der Vergangenheit. Er hat halt eine totale Rundumsicht über das Geschehen und ist jetzt eben nicht umsonst siebenmaliger Weltmeister.

Das plant Vettel beim Neustart mit Aston Martin

SPORT1: 2021 bricht für Sie mit Aston Martin ein neues Kapitel an. Warum vertrauen Sie darauf, dass dieses Projekt ein Erfolg wird?

Vettel: Das ist weniger eine Sache des Vertrauens. Eher eine Sache der Neugier und der Freude auf das Neue. Ich bin extrem gespannt auf das Projekt und freue mich darauf. Im Begriff Neugier steckt ja schon viel positive Energie. Und auf die kann man vertrauen, genau wie auf eine ganz andere Zielsetzung, um das Team nach vorne zu bringen. Ich baue da auf meine Erfahrung und auch auf das, was ich hinter dem Lenkrad leisten kann. Die Zeit bei Ferrari hat mich ja auch geprägt, ich habe viel gelernt, mich weiterentwickelt und bin jetzt auf einem anderen Level als davor – auf und neben der Strecke. Ich erwarte für die Zukunft aber keine Garantien auf Erfolg, sondern sehr viel harte Arbeit.

SPORT1: Aston Martin setzt ja auch viel Vertrauen in Sie, indem sie sich für Sie sogar von Sergio Pérez getrennt haben: Wie können Sie das zurückzahlen?

Vettel: Mit meiner Erfahrung, einem klaren Blick. Indem wir die Aufbruchstimmung im Team nutzen, gleichzeitig nicht überhastet rangehen und Schritt für Schritt versuchen, dem Erfolg näherzukommen. Realistisch gesehen bleibt Mercedes auch 2021 der große Favorit. Wir müssen auf uns schauen.

Vettel: Das machte Michael Schumacher so außergewöhnlich

SPORT1: Seinen Helden vertraut man auch. Sonst wären sie ja keine Helden. Warum vertrauten Sie in Ihrer Jugend so sehr auf Michael Schumacher?

Vettel: Weil er mit dem roten Auto schneller fahren konnte als alle anderen und in jedem Rennen immer das Maximum abrufen konnte. Er konnte immer noch Extra-Leistung abrufen, wie ich das bei keinem anderen gesehen habe. Damals und heute. Und das über viele Jahre. Sportlich steht das für extreme Zuverlässigkeit. Das hat er dann später auch als Mensch bestätigt, nachdem ich ihn kennengelernt habe. Er hat immer zu dem gestanden, was er gesagt hat.

“Ich bin für Mick das, was Michael für mich war”

SPORT1: Sie haben ihm auch als Mentor vertraut. Mittlerweile fährt sein Sohn Mick in der Formel 1. 

Vettel: Ja, und jetzt sind die Rollen quasi vertauscht (lacht). Ich bin für Mick das, was Michael für mich war. Mick ist ein toller Junge. Und ja, ich versuche ihm zu helfen, wann immer es möglich ist. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Fahren kann Mick sowieso schon selbst, da brauche ich ihm keine Tipps mehr zu geben. Da geht es vielmehr um andere Dinge – neben der Rennstrecke. Und so wie Michael mir da Tipps gegeben hat, wenn ich sie hören wollte, so werde ich das auch tun, wenn Mick mich fragt.

SPORT1: Als Vater muss man ja auch Vertrauen schenken und Werte vermitteln. Haben sich diese Dinge bei ihnen verschärft, seit Sie Vater sind?

Vettel: In der Theorie ist immer alles schön. Am Wichtigsten ist die Praxis. Man muss seinen Kindern das Richtige vorleben. 

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Cockpit in Gefahr? Sexismus-Skandal um Schumacher-Kollege

Skandal um Mick Schumachers künftigen Teamkollegen in der Formel 1: Der Russe Nikita Mazepin hat mit einem sexistischen Video auf seinem Instagram-Kanal für Empörung gesorgt und muss nun wohl sogar um seinen Platz beim Haas-Rennstall bangen. Das US-Team reagierte am Mittwochvormittag mit deutlichen Worten.

“Haas duldet das Verhalten Nikita Mazepins in dem kürzlich geposteten Video nicht”, hieß es in der Mitteilung: “Allein die Tatsache, dass dieses Video veröffentlicht wurde, empfinden wir als abscheulich.”

Mazepin saß auf dem Beifahrersitz eines Autos, in dem kurzen Ausschnitt filmt der 21-Jährige, wie er einer auf dem Rücksitz sitzenden Frau an die Brust greift. Diese wehrt sich dagegen. Das Video wurde schnell wieder gelöscht.

Haas werde die Angelegenheit nun “intern” klären und sich vorerst nicht weiter äußern. In einer ersten Reaktion entschuldigte Mazepin sich für sein “unangebrachtes” Verhalten.

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Wie Schumacher fuhr er in dieser Saison noch in der Formel 2, er soll neben dem Deutschen im kommenden Jahr sein Debüt in der Königsklasse geben. In der Vergangenheit ist Mazepin wiederholt durch Disziplinlosigkeiten aufgefallen.

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Wolff über Hamiltons Erkrankung: "Ziemlich hässlich"

Vor rund einer Woche wurde bekannt, dass Lewis Hamilton an Covid-19 erkrankt ist. Seitdem ist der Brite von der Bildfläche verschwunden.

Beim aus Mercedes-Sicht missratenen Großen Preis von Sakhir saß der hoch gehandelte Landsmann George Russell am Steuer – wann Hamilton zurückkehrt, ist ungewiss.

Zu den Umständen und Entwicklungen von Hamiltons Corona-Erkrankung hat sich nun aber Mercedes-Teamchef Toto Wolff geäußert – und Einblicke gegeben, wie es um den 35-Jährigen steht.

Wolff: “Natürlich unangenehm”

“Es ist schon ziemlich hässlich, was er sich da eingetreten hat”, erklärte der Österreicher bei einem Medientalk von Sky. “Und wenn du nicht zu Hause bist, sondern in deinem Zimmer liegst, ist das natürlich unangenehm.”

Besonders dann, “wenn ein aufkommender junger Fahrer in deinem Auto sitzt, mit dem du die Weltmeisterschaft gewonnen hast”, fügte Wolff an. Hamilton springe deshalb nicht “himmelhochjauchzend” durchs Hotelzimmer.

Dennoch gehe es Hamilton inzwischen durchaus “besser”: “Ich glaube, er ist auf einem guten Weg. Wenn die Prognose der Ärzte stimmt, könnte er es schaffen, dass er am Donnerstag oder Freitag einen negativen Test abliefern kann.”

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Fraglich nur, ob das fürs Saisonfinale reicht. Dieses findet am kommenden Wochenende in Abu Dhabi statt.

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Mercedes: Ist mit diesem Auto jeder schnell?

Zurück im Fahrerlager musste George Russell (21) sich nach seinem neunten Platz beim Großen Preis von Sakhir erst einmal ins Gras legen.

Der Brite hatte den Sieg gleich doppelt verloren: Erst wurden ihm versehentlich und verbotenerweise die Reifen seines Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas aufgeschnallt, dann hatte er auch noch einen Plattfuß. Und trotzdem hat der Engländer mit seinen 209 Führungskilometern und einer bis zum zweiten Boxenstopp dominanten Vorstellung am vergangenen Wochenende ein großes Ausrufezeichen gesetzt. (SERVICE: Fahrerwertung)

Formel 1: Russell wie einst Vettel

Ein Ausrufezeichen – allerdings mit zwei Bedeutungen. Einerseits ist da ein junger Mann mit einer herausragenden Leistung. Ein neuer Shootingstar der Szene, der genauso Eindruck hinterlassen hat wie einst Sebastian Vettel mit seinem Sieg in Monza 2008 oder Max Verstappen mit seinem Triumph im ersten Rennen für Red Bull in Barcelona 2016.

Der Brite bewegte den Mercedes W11 schon im Qualifying nur 26 Millisekunden langsamer als Bottas um den Outer Circuit in Bahrain – und war damit im Verhältnis auch fast so schnell wie der siebenmalige Weltmeister Lewis Hamilton. “Statistisch gesehen ist Valtteri im Qualifying eine Zehntel langsamer als Lewis”, rechnet Russell selbst vor. “Und wir alle wissen, wie gut Lewis ist.” (SERVICE: Konstrukteurswertung

Doch genau dieser Vergleich birgt eine große Gefahr. Für Hamilton aber auch für die gesamte Königsklasse. Denn er vermittelt unwillkürlich den Eindruck: Mit diesem Mercedes kann jeder schnell sein. Den Unterschied macht in der Formel 1 ergo nicht der Fahrer, sondern das Material.  

“Wenn du eine Meisterschaft gewinnen möchtest, musst du in einem Mercedes sitzen”, spricht McLaren-Youngster Lando Norris aus, was die meisten denken. “Viele Fahrer könnten etwas Ähnliches erreichen und Valtteri oder sogar Lewis den Kampf ansagen. Der Mercedes ist eines der am einfachsten zu fahrenden Autos im Feld.” 

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Carlos Sainz begibt sich verbal in den Windschatten seines Teamkollegen. “Wenn einer, der an jedem Wochenende um Platz 15 kämpft, in ein Siegerauto gesteckt wird und gleich 20 Tausendstel von der Pole weg ist, dann zeigt das für mich nur, was der Formel 1 derzeit fehlt. Wir könnten eine unglaubliche Show haben, wenn der Fahrer einen größeren Unterschied machen kann”, sagte Sainz.

Sainz: Gibt nur zwei Mercedes im Feld”

Sainz will Hamilton den Erfolg nicht absprechen, räumt aber ein: “Ich glaube, dass Lewis einer der besten Fahrer im Feld ist und einer der talentiertesten der Geschichte. Aber das werden wir nie wissen, weil es nur zwei Mercedes im Feld gibt. Und das ist mein Punkt.” 

Heißt auch: Mit seiner starken Leistung beim Silberpfeil-Debüt kratzt Russell am Denkmal seines britischen Landsmanns. Weil der superschnelle Mercedes mehr Wert scheint als die Fahrkünste eines Lewis Hamilton. Und weil er den Eindruck mit seiner Beschreibung des Weltmeisterautos 2020 auch noch untermauert.

Russell schwärmt geradezu vom W11: “Der Mercedes hat einfach so viel mehr Grip und eine um so viel bessere Vorderachse in jeder Phase der Kurve. (…) Ich konnte gar nicht glauben, wie gut das Auto zum Beispiel über die Randsteine (…) ist. Es ist einfach schneller. Was die Jungs bei Mercedes in Brackley da hingestellt haben, ist einfach unglaublich.” 

Konkurrenten huldigen Hamilton

Hat ein vermeindlicher Überfahrer à la Hamilton oder Schumacher also gar keinen Wert mehr? Doch, findet Max Verstappen (23), selbst eines der herausragenden Naturtalente im Feld. “So einer wie Lewis wird in den entscheidenden Momenten den Unterschied machen. Darum ist er ja siebenmaliger Weltmeister.” Und auch Russell räumt ein: “Typen wie Lewis machen den Unterschied, wenn am meisten Druck auf dem Kessel ist, in Schlüsselsituationen. Das hat ihn über all die Jahre ausgezeichnet.” 

Fest steht: Das brillante Russell-Debüt im Mercedes hat eine Diskussion ausgelöst, in der es keine endgültige Antwort gibt. Sehr wohl aber unterschiedliche Herangehensweisen. Denn die Beweisführung im Vergleich zwischen Hamilton und seinem Ersatzmann Russell könnte man ja auch andersherum erbringen. Vielleicht war es ja nicht nur der Mercedes, der George Russell so schnell gemacht hat. Vielleicht ist dieser junge Mann aus England einfach genau das: der nächste Lewis Hamilton.

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"Stehe wie kompletter Trottel da": Bottas kontert Wolff-Kritik

Der Mercedes-Rennstall hat am Sonntag ein sehr chaotisches Formel-1-Rennen erlebt. Besonders aufsehenerregend waren das berauschende Debüt von Geroge Russell und der peinliche Fehler beim Reifenwechsel, bei dem Russell die Reifen von Teamkollege Valtteri Bottas aufgezogen wurden.

Ebendieser Bottas landete am Ende auf Platz acht und wurde für seine Rennleistungen von seinem Teamchef kritisiert.

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Wolff über Bottas: “Er hat nicht geglänzt”

“Das muss ich mit ihm und seiner Crew besprechen. Aber er hat heute nicht geglänzt. Vielleicht ist die Luft draußen, nachdem die Weltmeisterschaft verloren ist – ich weiß es nicht”, sagte Toto Wolff nach dem Rennen bei Sky.

Der finnische Fahrer fühlt sich ungerecht behandelt. “Wenn man die Dinge nicht kennt, sehe ich vielleicht aus wie eine komplette Pussy oder ein kompletter Trottel”, rechtfertigte er sich gegenüber Motorsport-Magazin.com.

Er fügte in Richtung Wolff an: “Diejenigen, die sich auskennen, wissen, wie die Performance war und wie das Ergebnis hätte sein können.”

Bottas: “Das war ein Albtraum”

Auch Bottas wurde von dem Fehler beim Reifenwechsel hart getroffen. Dadurch kam er aus seinem Boxenstopp ohne neue Reifen wieder raus.

“Das Gefühl, wenn du zum Stopp kommst, mit den gleichen Reifen wieder losfährst, mit denen du reingekommen bist und dabei Plätze verloren zu haben, ist schwierig zu erklären.”

Nach einer Safety-Car-Phase war Bottas dann auf harten Reifen unterwegs, während seine Konkurrenten die Mediums aufgezogen hatten.

“Das war ein Albtraum”, beklagte sich Bottas. “Die harten Reifen sind so schwer auf Temperatur zu bringen. Beim langsamen Stopp und hinter dem Safety Car sind sie ausgekühlt. Die Leute haben mich links und rechts überholt.”

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Die Formel 1 hat einen neuen Superstar

Wohl nie zuvor hat man den Fahrer des Tages nach einem Rennen so niedergeschlagen liegen sehen.

Mit seinem Schicksal hadernd hatte sich George Russell auf ein kleines Stück Wiese gelegt, um dieses völlig verrückte Rennen in Sakhir noch einmal Revue passieren zu lassen. (SERVICE: Fahrerwertung)

“Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es wurde uns zweimal weggenommen”, hatte der Brite zuvor unmittelbar nach Rennende am Funk gesagt. Es folgte ein Schimpfwort, ehe der verzweifelte Russell kurz sogar während der Fahrt seine Arme und den Kopf auf das Lenkrad legte.

Anschließend erhielt Russell nicht nur vom Renningenieur, sondern auch von Mercedes-Cheftaktiker James Vowles und Motorsportchef Toto Wolff Lob für seine Fahrt sowie eine Entschuldigung für den peinlichen Fehler, der Russell letztendlich um den hochverdienten Sieg gebracht hatte.

Wirklich trösten konnte ihn aber keiner, genauso wenig wie die weltweiten Formel-1-Fans, die ihn mit 48% der Stimmen trotz des neunten Platzes zu ihrem Fahrer des Tages wählten.

Wolff lobt “neuen Star” Russell

“Es nur der Beginn eines Märchens, welches heute nicht geklappt hat. Ich würde sagen ‘a new star is born”’, teilte Wolff nach dem Rennen in einem von Mercedes veröffentlichten Statement über Russell mit.

Das Märchen hatte am Dienstagmorgen um 2 Uhr begonnen, als Wolff bei Russell auf dem Handy anrief. Er erzählte dem 22-Jährigen, dass Rekordmeister Lewis Hamilton positiv auf das Coronavirus getestet worden war und er für ihn einspringen soll – sofern Williams dafür die Erlaubnis gibt.

Zu Russells Glück spielte sein eigentliches Team mit – und so durfte er den Sakhir-GP für Mercedes bestreiten. Nachdem er bereits mit Trainingsbestzeiten am Freitag und einem starken Qualifying am Samstag aufhorchen ließ, folgte im Rennen sein Meisterstück.

Direkt am Start düpierte er Bottas und überholte den Teamkollegen. Russell kontrollierte danach das Rennen mühelos, bis Mercedes ein fataler Boxenstopp-Fehler unterlief. Als beide Fahrer während einer Safety-Car-Phase kurz nacheinander in die Box kommen sollten, wurden bei Russell die Vorderreifen vertauscht.

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Mercedes verpatzt Stopp beider Fahrer

Da dies verboten ist, musste Russell direkt noch einmal in die Box, was ihn einige Positionen kostete. Er fiel sogar hinter Teamkollege Bottas zurück, obwohl der Reifenwechsel bei dessen Boxenstopp 27 Sekunden gedauert hatte, da seine Vorderreifen auf dem Wagen von Russell waren. (SERVICE: Konstrukteurswertung)

“Ich glaube, das war einer der kolossalsten Fuck-ups, den wir je hatten. Es war eine Seite des Teams, die den Funkspruch nicht gehört hat. Und so war der falsche Reifen draußen für das falsche Auto”, erklärte Wolff die verpatzten Stopps bei Sky.

Zurück auf der Strecke hielt sich Russell nicht lange mit Bottas auf und überholte ihn ein zweites Mal im Rennen, nachdem dieser sich einen kleinen Fehler erlaubt hatte. Wie eiskalt Russell diesen ausnutzte, würden sich viele Mercedes-Fans vermutlich auch einmal von Bottas wünschen.

Dem Finnen bereiten Überholmanöver oft merklich größere Probleme als Teamkollege Hamilton – und augenscheinlich auch dem ähnlich furchtlosen Russell. Nachdem dieser sich bis auf Platz zwei vorgekämpft hatte und kurz zuvor war, den späteren Sieger Sergio Pérez anzugreifen, wurde er von einem Plattfuß ausgebremst.

Bottas entgeht drittem Überholvorgang knapp

Russell fiel weit außerhalb der Punkteränge zurück, kämpfte sich mit schnellsten Rennrunden aber noch einmal bis auf Rang neun vor. Für Bottas kam die Zielflagge gerade rechtzeitig, sonst wäre er ein drittes Mal in einem Rennen von seinem Teamkollegen überholt worden.

Noch dazu von einem Teamkollegen, der erstmals in einem Rennen im Mercedes saß und der Prellungen am ganzen Körper hatte, weil er nicht ins Cockpit des deutlich kleineren Hamilton passte. Der heroische Einsatz wurde zumindest mit den ersten Punkten seiner Formel-1-Karriere belohnt.

Nach dem verrückten Rennen erhielt er einen Anruf seiner Eltern. “Meine Mutter konnte nicht sprechen. Ich glaube, sie hat vermutlich geweint, deshalb hat sie meinen Vater ans Telefon geholt”, sagte Russell bei Sky und fügte hinzu: “Er hat gesagt: ‘Du kannst so stolz sein, wir sind sehr stolz auf dich.’”

Selbst die FIA zeigte Mitleid nach der Gala-Leistung und beließ es bei einer Geldstrafe von 20.000 Euro für Mercedes. Zwar erklärten die Stewards in einem Statement, dass eine Disqualifikation von Russell möglich gewesen wäre – doch man entschied sich dagegen, da es mildernde Umstände geben würde.

Hamilton-Genesung entscheidet über Einsatz

Russell hatte nach dem Rennen aber auch so gefunkt: ”Ich bin am Boden zerstört, aber wir werden diese Chance wiederbekommen.” Dann fiel ihm ein, dass er eigentlich gar nicht für Mercedes fährt, weshalb er sich leicht korrigierte: “Ich hoffe, wir kriegen diese Möglichkeit wieder.”

Mit “wir” meinte er in diesem Fall wohl in erster Linie sich, da Mercedes sich sicher sehr bald wieder in einer Sieg-Position befinden wird. Wie schnell es bei Russell passiert, hängt von der Genesung von Hamilton ab. ”Wenn er gecleart wird, wenn er einen negativen Test hat, dann wird er fahren. Und wenn nicht, dann ist es George”, stellte Wolff klar.

Russell wird daher abwarten müssen, ob er in dieser Saison noch einmal die Chance erhält. Ein Mercedes-Cockpit dürfte nach diesem Auftritt jedoch nur noch eine Frage der Zeit sein. Zwar sieht Wolff die Paarung Hamilton und Russell für 2021 “im Moment nicht als realistische Situation”.

Russell könnte sogar Hamilton gefährlich werden

Dass Wolff es aber für “eine interessante Situation” hält und sogar eine “Art Achterbahnfahrt für alle von uns” befürchtet, zeigt deutlich, dass Wolff dem jungen Briten sogar zutraut, Landsmann Hamilton gefährlich werden zu können.

Doch auch wenn die Verantwortlichen kein Schlupfloch im für 2021 gültigen Vertrag von Bottas entdecken sollten, wird Russell eben im Jahr darauf zum Mercedes-Fahrer. Sein erster Karrieresieg, um den er in Sakhir von seinem Team gebracht wurde, ist daher wohl nur aufgeschoben.

Denn wie sagte Wolff am Samstag noch: “Ihm gehört die Zukunft.”

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Grosjean-Comeback beim Finale? Entscheidung gefallen

Der Franzose Romain Grosjean wird nach seinem schweren Feuerunfall nicht beim Formel-1-Saisonfinale am kommenden Wochenende in Abu Dhabi an den Start gehen. Dies gab der Haas-Rennstall am Sonntag bekannt.

Der in Genf geborene Grosjean werde stattdessen in die Schweiz zurückkehren, um die medizinische Behandlung der Verbrennungen auf seinem Handrücken fortzusetzen.

“Es ist sehr traurig, dass ich mein letztes Rennen in Abu Dhabi nicht mehr absolvieren und dort mit dem Team zusammen sein kann”, sagte Grosjean: “Das Risiko eines Rennens ist zu groß für meine Genesung und meine Gesundheit. Es ist eine der härtesten Entscheidungen meines Lebens, aber offensichtlich eine der weisesten.”

Fittipaldi ersetzt Grosjean auch in Abu Dhabi

Grosjean, der vor Wochenfrist beim drittletzten Saisonrennen in Bahrain nach einem Crash bei Tempo 220 einem Flammeninferno entronnen war, wollte “unbedingt” in dem Emirat an den Start gehen, da sein Vertrag bei Haas ausläuft und er im kommenden Jahr kein Stammcockpit in der Königsklasse erhält.

Der 34 Jahre alte Familienvater wird in Abu Dhabi erneut durch den brasilianischen Haas-Ersatzfahrer Pietro Fittipaldi vertreten, der am Sonntag beim vorletzten Saisonrennen in Sakhir sein Grand-Prix-Debüt gibt. 2021 wird die deutsche Motorsporthoffnung Mick Schumacher für Haas fahren.

Grosjean war für Haas seit der Teamgründung 2016 in der Formel 1 aktiv, er bestritt 96 seiner insgesamt 179 Grands Prix für den US-Rennstall. “Romain hat von Anfang an an unser Formel-1-Projekt geglaubt, er hat sich verpflichtet, für uns zu fahren, noch bevor wir überhaupt ein Auto gebaut hatten”, sagte Teamchef Günther Steiner: “Wir werden für immer dankbar sein für diesen Glauben und dieses Engagement.”

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Trotz Prellungen im Hamilton-Cockpit: Russell verzaubert F1

Das Qualifying für den Sakhir-GP war gleich aus zweierlei Gründen historisch. (Formel 1: Großer Preis von Sakhir am Sonntag ab 18.10 Uhr im SPORT1-Liveticker)

Denn die schnellste Runde der Formel-1-Geschichte von Mercedes-Pilot Valtteri Bottas hatte automatisch auch zur Folge, dass die historische Qualifying-Serie von George Russell, seinem Teamkollegen in Bahrain, reißt.

Der eigentliche Williams-Pilot, der an diesem Wochenende den an Corona erkrankten Weltmeister Lewis Hamilton ersetzt, war damit nach 36 siegreichen Qualifying-Teamduellen in Folge erstmals langsamer als sein Stallgefährte. (SERVICE: Fahrerwertung)

Doch obwohl Startplatz zwei die erste Niederlage für ihn im Qualifying bedeutete, war Russell dennoch der heimliche Gewinner des Qualifyings. Seine nur minimal langsamere Zeit als Bottas trotz schwieriger Umstände könnte ihm in der Zukunft einige Türen öffnen.

Russell kämpft mit zu kleinem Cockpit

Das machte auch eine Aussage von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff nach dem Qualifying deutlich. “Sehr gut. Er steigt in das Auto, passt nicht ins Cockpit und knallt so eine Zeit raus. Fest steht: Die Zukunft gehört ihm”, sagte Wolff zur Leistung des jungen Briten bei Sky.

Wolffs lapidar dahingesagtes “passt nicht ins Cockpit” hat einen ernsten Hintergrund. Russell gehört mit 1,85 Meter zu den größten Fahrern der Formel 1, was es in den engen Cockpits schon generell schwieriger macht. In diesem Fall saß der Brite aber dazu noch im Cockpit des nur 1,74 Meter großen Landsmanns Hamilton.

“Das Rennen kann lustig werden, weil ich am ganzen Körper Prellungen habe, ich sitze halt ein wenig zusammengestaucht im Auto. Die Nacht auf Samstag habe ich mit Eis auf der Schulter verbracht”, sagte Russell zu den Problemen, die ihm das auf Hamilton zugeschnittene Cockpit bereitet.” (Die Stimmen zum F1-Qualifying)

Doch der 22-Jährige will im Rennen ebenfalls auf die Zähne beißen: “Wenn du ein so schnelles Auto hast, dann vergisst du den Schmerz. Der kommt dann zurück, wenn du aussteigst.”

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Unterschied zwischen Williams und Mercedes

Das zu kleine Cockpit war aber nicht die einzige Schwierigkeit, mit der Russell zu kämpfen hatte und seinen Mini-Rückstand von 26 Tausendstelsekunden auf Bottas noch bemerkenswerter machen. Der Mercedes verhält sich komplett anders als sein gewohnter Williams. (SERVICE: Konstrukteurswertung)

“Es gab viel umzusetzen, das ich in den drei Trainings gelernt hatte. Am Anfang fühlte sich alles sehr fremd an. Ich musste auch meinen Fahrstil leicht ändern, um aus einem ganz anderen Fahrzeug das Beste zu holen”, erklärte Russell.

Dass es das Mitglied im Mercedes-Förderprogramm trotzdem “wurmt”, dass er nur Zweiter wurde, zeigt seinen Ehrgeiz. Russell haderte damit, dass er etwas zu viel Abstand gelassen hatte, um noch etwas Windschatten und damit “ein bisschen Rundenzeit geschenkt zu bekommen”.

Für einen Vergleich mit Bottas war dies allerdings nur fair, da der Finne auch keinen hatten.

Lob von Williams und Red Bull

Lob gab es nach dem Qualifying trotz Startplatz zwei von allen Seiten. “Wir würden ja gerne sagen, dass wir von dieser Leistung von George Russell überrascht sind, aber wir sind es definitiv nicht. Hervorragende Leistung, Kumpel”, twitterte der Williams-Rennstall.

Von Hamilton wird es nach dem Qualifying ebenfalls positive Worte gegeben haben, nachdem Russell die vom Rekordweltmeister an ihn verschickte Forderung ”Pass gut auf mein Auto auf!” einwandfrei umgesetzt hatte.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner schweifte bei seiner Antwort zur mäßigen Leistung seines Schützlings Alexander Albon sogar extra ab, um auf “den guten Job von George Russell” hinzuweisen. Bezogen darauf, dass dieser sich einfach ins Auto setzt und abliefert, war dies auch als Kritik am Thailänder zu verstehen.

Ob Albon im nächsten Jahr noch für Red Bull fährt oder nicht, kann Russell jedoch egal sein. Für seine Zukunft ist das direkte Duell mit Bottas entscheidend. Der Finne steht enorm unter Druck und dürfte sich ärgern, dass er laut eigener Aussage nicht seine ”beste Qualifikation” hingelegt hat. (SERVICE: Der Rennkalender)

Bottas unter Siegzwang in Sakhir

Angesichts der Schwierigkeiten, mit denen Russell bei seinem Mercedes-Einstieg zu kämpfen hat, sollte Bottas ihn deutlicher hinter sich lassen. Im Rennen wird der 31-Jährige souverän siegen müssen, damit die Stimmen, die Russell als Hamilton-Teamkollege fordern, nicht noch lauter werden.

Zwar läuft der Bottas-Vertrag bis 2021, doch für Ex-Formel-1-Pilot Ralf Schumacher heißt so etwas nicht viel, falls Mercedes doch Russell im Cockpit sehen will. “Ich bin sicher, dass Toto Wolff einen Vertrag gemacht hat, der auch gewisse Schlupflöcher für den Fall der Fälle beinhaltet”, sagte Schumacher bei SPORT1.

Wolff widerspricht dem: “Es gibt keinen Shootout. Wir haben volles Vertrauen in Valtteri und sind so loyal wie eh und je. Das ist unsere Position.” Das gilt aber nur 2021: “Wir kriegen an diesem Wochenende und vielleicht nächstes Wochenende weitere Daten, die uns dabei helfen, die Leistungen von George noch besser einzuschätzen.”

Und ob 2021 oder nicht – es sollte nur eine Frage der Zeit sein, bis Hamiltons vermeintlicher Kronprinz einen Mercedes-Boliden sein Eigen nennt, der ihm nicht am ganzen Körper Prellungen beschert.

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Haas-Boss verrät: Das ist der Plan mit Mick Schumacher

Auch wenn er noch gar nicht am Start ist: Vor dem vorletzten Rennen beim Großen Preis in Sakhir elektrisiert die baldige Ankunft von Mick Schumacher die Formel 1

Für das Team Haas ist die Verpflichtung des Ferrari-Juniors und Sohnes von Rennsport-Ikone Michael Schumacher ein Mega-Coup.

Hauptverantwortlich dafür ist Teamchef Günther Steiner. (Formel 1: Der Große Preis von Sakhir, Sonntag, 18.10 Uhr im LIVETICKER).

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Im Interview erklärt der 55-Jährige, wie genau der Deal mit dem 21-jährigen Mick zustandegekommen ist, was er an dem Kerpener schätzt, welche Erwartungen an ihn gestellt werden – und wie die Situation um Romain Grosjean nach dessen Feuer-Unfall bestellt ist.

Haas-Chef Steiner über Mick Schumacher

Frage: Herr Steiner, Sie sind jetzt ein Superstar ein Deutschland, weil Sie mit Mick Schumacher dem Sohn der Nation einen Vertrag für nächstes Jahr gegeben haben. Sind Sie sich dessen bewusst?

Günther Steiner: (lacht) Das ist nicht gut. Dann kennen mich die Behörden jetzt leider. Ich habe nämlich gerade aus Deutschland einen Strafzettel bekommen. Um auf die Frage zurückzukommen: Ich bin mir der Verantwortung bewusst. Ich weiß auch, was es bedeutet, mit jungen Fahrern wie Mick Schumacher und Nikita Mazepin umzugehen. Es wird Höhen und Tiefen geben. Aber wenn man die Möglichkeit hat, so etwas zu machen, sollte man die Chance ergreifen. No risk, no fun. Ich mag keine Leute, die aus Vorsicht immer Nein sagen.

Frage: Was sind die Vorteile?

Steiner: Ganz ehrlich: Wir sind im Moment nicht gerade das beste Team. Aber für Mick ist das gut so. So haben wir die Möglichkeit, gemeinsam zu wachsen. Er weiß, wo er dran ist. Und er hat am Anfang nicht so viel Druck. Hätten wir ein superschnelles Auto, mit dem man vorne aus eigener Kraft mitfahren könnte, dann würde jeder von einem Schumacher gleich Siege erwarten. Bei uns ist das nicht so. Das heißt, er hat mehr Zeit und Ruhe, sich zu verbessern und zu lernen. Dazu kommt: 2021 ist für uns Übergangsjahr, weil sich das Reglement ja erst für 2022 drastisch ändert. Deshalb wollte ich Fahrer haben, die 2021 lernen und 2022 dann bereit sind. Ich nehme die Verantwortung sehr ernst. Es wird sicher auch Kritik geben, aber das nehme ich hin. Ich mag sowieso keine einfachen Sachen, sondern liebe die Herausforderung.

Frage: Trotzdem: Mit Kevin Magnussen und Romain Grosjean arbeiteten Sie lange mit erfahrenen Piloten zusammen. Dagegen sind Mick Schumacher und Nikita Mazepin Welpen für Sie. Belegen Sie jetzt ein Kinder- und Jugendbuchseminar, um die Welt der Kids zu begreifen, oder reden Sie deswegen noch mehr als sonst mit Ihrer Tochter, die vom Alter her den beiden Youngstern näher ist, als Sie es sind?

Steiner: Na ja, im Kopf bin ich sehr jung geblieben. Klar ist es anders, ob du beispielsweise mit zwei 21-Jährigen Termine hast oder mit zwei Routiniers. Es gibt Dinge, die für die beiden noch neu sind und für mich normal. Das aber sind Kleinigkeiten. Ich habe bisher noch nicht so viel Zeit gehabt, tiefgehende Gespräche mit ihnen zu führen. Das lag einerseits an den Gesetzen der Pandemie, die jedes Team zwingen, in seiner eigenen Blase zu leben. Andererseits müssen Sie ja erst noch ihre Formel-2-Saison zu Ende fahren – und da schadet es nur, wenn man sie zu sehr ablenkt. Aber die Idee, mehr mit meiner Tochter zu reden, ist gar nicht so schlecht.

Frage: Sie haben das Umfeld von Mick Schumacher gelobt. Mit wem haben Sie die Vertragsgespräche geführt?

Steiner: Hauptsächlich mit Sabine Kehm, die ja schon lange für die Familie Schumacher tätig ist, und mit Micks Anwälten. Ich habe an den Fragen gemerkt, das es da ein sehr professionelles Umfeld gibt, mit viel Erfahrung im Hintergrund. 

Frage: Wie stolz macht es Sie, den Deal eingetütet zu haben?

Steiner: Das ganze Team ist stolz darauf. Ich habe Leute im Team, die haben schon mit Micks Vater gearbeitet. Die haben vor Freude richtig feuchte Augen bekommen. Aber wir wissen auch, dass die Verpflichtung von Mick nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen bedeutet, sondern auch extrem viel Verantwortung. Es gilt, den Druck des Namens von ihm fernzuhalten und ihn gleichzeitig immer besser zu machen. Die Freude überwiegt da eindeutig. Im Übrigen ist es auch für die Formel 1 gut: Michael ist eine Legende, jetzt ist der Sohn da. Wir bringen den Namen Schumacher zurück in die Formel 1. Das sind doch genau die Geschichten, die alle brauchen. Aber eins will ich klarstellen: Mick hat den Job nicht wegen des Namens bekommen, sondern wegen seiner Leistungen. Er hat bisher alle Meisterschaften gewonnen, in der Formel 2 gewinnt er an diesem Wochenende vermutlich wieder, wird aber mindestens Zweiter. Das heißt: Selbst wenn er Mick Müller heißen würde, hätten wir und andere ihn auf dem Zettel gehabt. Zusammenfassend kann ich sagen: Ich finde die Situation extrem cool – und es ist eine große Ehre für mich und das Team. 

Frage: Welchen menschlichen Eindruck hat Mick bisher auf Sie gemacht?

Steiner: Er ist extrem gut vorbereitet und sehr fokussiert. Er will den Erfolg mit allem, was er hat. Ich freue mich, weil ich gesehen habe, wie sehr er sich gefreut hat, als er die Nachricht bekam, dass er zu uns kommt. Das war auch für ihn nicht selbstverständlich.

Frage: Waren Sie es eigentlich, der Mick mitgeteilt hat, dass er den Formel-1-Platz sicher hat?

Steiner: Ich glaube schon. Ich habe ihn jedenfalls angerufen, vor einem Monat etwa, und es ihm gesagt. Er hat sich jedenfalls extrem gefreut, er war richtig happy in diesem Moment. Ist ja auch klar, weil gerade sein erster großer Traum wahr wurde.

Frage: Konnten Sie selbst entscheiden oder hatte sein Hauptarbeitgeber Ferrari Mitspracherecht? (SERVICE: Konstrukteurswertung).

Steiner: Wir haben angefangen zu reden, als ich die Entscheidung getroffen hatte, mit jungen Fahrern arbeiten zu wollen. Irgendwann ging es bei den Ferrari-Junioren nur noch um ihn, weil er in der Formel-2-Meisterschaft vorne lag. Wir wollten den Besten haben und wenn der dann auch noch Schumacher heißt: umso besser!

Frage: Hat die Verpflichtung von Mick Ihren Ausstieg aus der Formel 1 verhindert? Sie sagten ja selbst, durch den Ausbruch der Pandemie und die dadurch entstandenen finanziellen Engpässe war es gar nicht so in Stein gemeißelt, dass Ihr Team weitermachen kann.

Steiner: Nein, das hat mit Mick nichts zu tun. Unser Problem wurde schon früher gelöst.

Frage: Mick bleibt Ferrari-Junior. Damit ist Ihr Motorpartner jetzt noch mehr in der Verantwortung. Da müsste es doch selbstverständlich sein, dass sie Ihr Team noch mehr unterstützen, als es vorher schon der Fall war.

Steiner: Sie machen auf jeden Fall mehr Druck. Hoffentlich können sie uns weiterhelfen, aber im Reglement ist klar definiert, was man darf und was nicht. Autos kopieren darf man nicht, das wissen wir ja seit dieser Saison (lacht).

Frage: Schwachpunkt in dieser Saison war der Ferrari-Motor. Den müssen sie auf jeden Fall wieder konkurrenzfähig machen.

Steiner: Das würde auf jeden Fall helfen.

Frage: Wie geht es nach Bahrain weiter?

Steiner: Ich habe Mick am Mittwoch gesagt: “Du wirst erst am Montag wieder von mir hören. Bis dahin konzentrierst Du dich ganz auf Dein Formel-2-Rennen.” Deshalb wollten wir die Verpflichtung vor dem letzten F2-Rennen bekanntgeben. Ab Montag kommen Mick und Nikita beide in die Haas-Blase. Mick wird dann am Freitag das erste Training für uns fahren. Und danach beide die Testfahrten, die Dienstag und Mittwoch nach dem Rennen stattfinden.

Frage: Wenn Romain Grosjean in Abu Dhabi noch nicht fit ist, könnten dann Mick Schumacher oder Nikita Mazepin für ihn einspringen? Oder wieder Emerson Fittipaldi, der ihn schon in Bahrain ersetzt?

Steiner: Darüber habe ich und will ich mir noch keine Gedanken machen. Am Dienstag müssen wir unseren Piloten für das letzte Rennen in Abu Dhabi melden. Dann müssen wir schauen, wie es Romain geht und danach erst kann man sich Gedanken machen. Aber ehrlich gesagt: Würde es Sinn machen, Mick oder Nikita das Rennen fahren zu lassen? Eher nicht. Man muss den Druck nicht künstlich erhöhen. 

Frage: Apropos Grosjean: Was haben Sie im ersten Moment gedacht, als Sie Ihren Fahrer im Feuerball gesehen haben?

Steiner: Es dauerte etwas, bis ich merkte, dass es mein Auto war. Sein Ingenieur sagte gleich danach: Er ist raus aus dem Auto. Das ging viel zu schnell, um sich ernsthaft Gedanken zu machen. Sein Physiotherapeut lief dann gleich ins Medical Center und erzählte uns, dass er keine schweren Verletzungen hatte. Danach ging es dann darum, wie man so schnell wie möglich kommunizieren kann, dass dieser Horrorunfall glimpflich verlaufen ist. Grosjean hat ja viele Freunde. Deshalb nutzten wir das Fernsehen und die sozialen Medien, die dafür diesmal optimal waren.

Frage: Überwiegt die Erleichterung, dass relativ wenig passiert ist, oder der Schreck, dass auch in der heutigen Zeit noch ein Auto in Flammen aufgehen kann?

Steiner: Absolut die Erleichterung. Auch das Glück, das wir hatten, war mir bewusst. Denn trotz aller großartigen Sicherheitsmaßnahmen: Die Physik hat ihre Grenzen. Wenn die Kräfte zu groß werden, kann immer noch alles passieren. Da kann auch ein Auto in Flammen aufgehen, auch wenn es das nicht sollte. Grundsätzlich hat das Auto alles richtig gemacht. Wir müssen jetzt aus dem Unfall lernen. Denn man kann immer alles besser machen.

Frage: Weiß man, warum das Auto in Flammen aufging?

Steiner: An zwei Stellen ist Benzin ausgetreten. Wenn ein vollgetanktes Auto in zwei Teile zerbricht, liegen Leitungen frei, der Einfüllstutzen wurde zerfetzt, da tritt dann Benzin aus. Wir müssen jetzt herausfinden, wo und warum der Brand entstanden ist, und daraus die Lehren ziehen. Was wir aber wissen: Der Tank selbst blieb unversehrt. Und Halo hat ihm das Leben gerettet. Das kann man mit Sicherheit sagen.

Frage: Haben Sie mit Grosjean auch über die Unfallursache gesprochen? Er hat, das muss man objektiv sagen, sich selbst in die Situation gebracht.

Steiner: Ja, aber aufgrund der Situation sehr vorsichtig. Ich habe ihn am Montag im Krankenhaus besucht und ihm erst mal zu verstehen gegeben, wie froh wir sind, dass es ihn noch gibt. Man muss wissen: In den fünf Jahren, die wir zusammen gearbeitet haben, mit allen Erfolgen und Reibereien, hat sich zwischen uns eine Art Hass-Liebe entwickelt. Aber in einer solchen Situation gibt es nur noch Liebe. Als er mich gefragt hat, wieso er überhaupt so in den Leitplanken gelandet war, konnte ich ihm nur vorsichtig eine Antwort geben. “Lieber Romain”, sagte ich, “du bist dem Kvyat übers Vorderrad gefahren.” Das war ihm gar nicht bewusst. 

Frage: Wie ging Teamkollege Magnussen mit dem Unfall um? (SERVICE: Fahrerwertung)

Steiner: Er hat den Unfall ja aus der ersten Reihe erlebt und später auf den Bildschirmen. Er konnte gar nicht glauben, dass sich Romain befreien konnte. Er war richtig erschrocken.

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Frage: Hat der Unfall nicht auch einen positiven Aspekt? Nämlich den, dass die ganzen Kids und Fans sehen konnten, wie gefährlich Formel-1-Fahrer immer noch leben und dass es deshalb etwas ganz Besonderes ist, was sie da tun? Sie sitzen eben an keiner Playstation und starten das Programm neu, wenn sie an die Mauer gefahren sind.

Steiner: Kann man so sehen. Es ist kein Spiel. Deshalb war ich auch dafür, dass man die Unfall-Bilder gezeigt hat. Weil der Feuercrash ja gut ausging. Jetzt wissen die Leute, dass unsere Fahrer immer noch ihr Leben riskieren – trotz der maximalen Sicherheit. Sie können – wenn alles schief läuft – ihr Leben verlieren. 

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